14.01.2021
Wie mache ich die Folie zu meinem Partner? Was bedeutet Folienmanagement?

Wer schöne Qualitäten ernten will, muss viele Aspekte beim Folienmanagement beachten
Foto: Smolders
Es gibt in die Praxis viele unterschiedliche Möglichkeiten für das Folienmanagement. Grundsätzlich ist Folienmanagement das geeignete Instrument, um durch den Einsatz von Folie die Dammtemperatur und damit auch den Ertrag und die Qualität des Spargels zu steuern. Im Vorfeld sollte man das Ziel dabei immer klar vor Augen haben - und natürlich auch, welche Mittel und Umwelteinflüsse dabei von Bedeutung sind.
Ein bedarfsgerechtes Folienmanagement sichert zu einem erheblichen Teil die Wirtschaftlichkeit. Folienmanagement beschränkt sich aber nicht nur auf das Drehen der Schwarz/Weiß-Folie. Mehrere Lagen Folie in verschiedener Konfiguration bieten ein vielfältig nutzbares Werkzeug, um die Temperatur im Damm zu regulieren.
Frühzeitigkeit gefragt
Folienmanagement wird in der Praxis oftmals leider nur zur Verfrühung einer Fläche genutzt. Abhängig vom Vermarktungsweg und der geografischen Lage gilt es, eine gewisse Frühzeitigkeit anzustreben. Heutiger Standard ist dabei der Minitunnel, ein Tunnel über einer Reihe. Schätzungsweise 30 % des Spargelareals sind heute mit einem Minitunnelsystem bedeckt.
Das Minitunnelsystem gibt es in zwei Variationen - den klassischen Tunnel mit Drahtstäben quer über dem Damm und das System Engels, bei dem die Stäbe, M-Bogen genannt, in Längsrichtung neben dem Damm stehen.
In Bezug auf die Frühzeitigkeit sind beide Systeme identisch zu betrachten. Der große Unterschied besteht im Folienmanagement. Beim System mit den Stäben quer über dem Damm kann man die Thermofolie nur auf oder unter den Bügel legen. Weil der Tunnelstab quer über dem Damm steht, ist die Schwarz/Weiß-Folie „eingeklemmt“ unter dem Tunnelstab. Damit ist das Drehen der Folie sehr arbeitsaufwändig und kostspielig. In der Praxis wird bei diesem System daher meist selten die Folie gedreht. Beim M-Bogen-System steht der Bogen an der Dammflanke, wodurch die Schwarz/Weiß-Folie einfach hochzunehmen und zu drehen ist. Dieser Vorgang ist mit Hilfe der Spargelspinne (M-Bogen-Minitunnel und Spargelspinne sind als System zu verstehen) einfach vorzunehmen, manuell ist dies in der Praxis kaum vernünftig durchführbar. Entscheidender Punkt dabei ist, dass mit dem System von Engels ein genaueres Folienmanagement durchführbar ist. Gutes Folienmanagement führt auch zu höheren Stechleistungen des Erntepersonals.
Die Frühzeitigkeit ist weiterhin durch das Auflegen einer dritten Folie zu verbessern. Dies kann entweder eine Thermofolie - die zwei Dämme gleichzeitig abdeckt - oder eine Lochfolie, die über mehrere Dämme gezogen wird, sein. Der Erwärmungseffekt der dritten Folie entsteht durch ein größeres Luftvolumen unter der Folie. Durch die Aufnahme und Speicherung von Wärme wirkt dies wie eine Isolierung. Nach Sonnenuntergang hält das Luftpolster die Wärme im Damm und vermindert deren Ausstrahlung in die Umgebung. Die extra breite, zweireihige Lochfolie erfordert einen höheren Arbeitseinsatz, insbesondere bei feuchter Witterung oder Wind. Daher ist darauf zu achten, dass diese Folie eine entsprechende Löcherung aufweist, durch die das Wasser abfließen kann und die Saugkraft des Windes neutralisiert wird. Sehr sinnvoll ist es, diese Folie auf die Tunnelfolie aufzulegen, denn die kohäsive Wirkung zwischen beiden Folienschichten sorgt dafür, dass die aufliegende Folie deutlich weniger windempfindlich ist.
Um eine extreme Verfrühung zu erreichen, kann die dritte Folie aus einer Lochfolie, die über sieben oder mehr Reihen gelegt wird, bestehen. Die Wirkung ist die gleiche wie beim zweireihigen System, aber der Effekt ist größer, weil mehr Luft gepuffert wird. Ein Unterschied in der Wirkung hängt dann noch davon ab, ob eine Folie mit 500 oder weniger Löchern/m² verwendet wird. Dieses System ist arbeitsaufwändig und windanfällig, es wird nur zu Anfang der Ernte genutzt.
Frühzeitigkeit bedeutet mehr, als nur zu einem gewissen Datum Spargel zu produzieren. Die Erntekurve muss stabil verlaufen und die Qualität den Marktanforderungen entsprechen. Die Temperatur im Tiefenbereich der Rhizome ist entscheidend, wenn die Pflanze anfängt Stangen zu schieben. Hinzu kommt noch die Dammtemperatur, die einen großen Einfluss auf die Qualität hat.
Um Folienmanagement effizient anwenden zu können, ist es unerlässlich, mit einer zuverlässigen Temperaturregistrierung zu arbeiten. In Verbindung mit einer auf die Region abgestimmten Wettervorhersage sind dann die Voraussetzungen geschaffen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sehr sinnvoll ist zudem das praktische Wissen über die Bodeneigenschaften der entsprechende Parzellen. Wie reagiert der Boden auf Temperatur, wie ist die Bodenfeuchte, wie ist die Struktur und Bodenart, das Alter des Bestandes und natürlich, welche Sorte ist gepflanzt? All diese Aspekte haben Einfluss auf das Folienmanagement.
Die Temperatur ist auf der Dammoberfläche sowie in 5 cm, 20 und 40 cm Tiefe zu messen. Diese unterschiedlichen Messtiefen stehen in direkter Verbindung mit der Qualität des Spargels.
Das Ziel eines effizienten Folienmanagements ist die Balance zwischen einem optimalen Ertrag in Kombination mit einer optimalen Qualität. Der Anbauer entscheidet, was für seinen Betrieb im gegenwärtigen Moment optimal ist und kann damit das Folienmanagement progressiv oder eher konservativ steuern.
Folienmanagement bedeutet Temperatursteuerung
Eine Parzelle fängt an Stangen zu schieben, wenn die Temperatursumme (= Ø temp./Tag > + 5 °C in 20 cm Dammtiefe) zwischen 400 und 500 Gradstunden beträgt. Es gibt Differenzen in der Temperaturempfindlichkeit der verschiedenen Sorten. Frühsorten starten mit dem Schieben der Stangen meist ab einer Temperatursumme von 400 Gradstunden.
Ab dem Moment, ab dem Stangen geschoben werden, ist Folienmanagement anwendbar. Beim Folienmanagement ist die Dammtemperatur in 20 cm Tiefe ein wichtiger Bezugswert. Kopfstabile Sorten können bis 22 °C hochgefahren werden. Eine Reihe von Spargelsorten bevorzugt eher etwas niedrigere Temperaturen, um die Qualität zu gewährleisten, und einen etwas kühleren Kopf, 20 °C sollten bei diesen Sorten möglichst nicht überschritten werden.
Eine konservative Temperatursteuerung ist bei Sorten, die den Kopf gerne mal etwas lockerer lassen, empfehlenswert. Diese Sorten bevorzugen Temperaturen bis zu 18 °C, um einen guten Kopfschluss zu gewährleisten.
Die optimale Dammtemperatur ist aber nicht nur abhängig von der Sorte. Umweltfaktoren sowie Kulturführung sind oftmals mehr entscheidend, als eine strickte Orientierung an der Sorte. Generell gilt - unabhängig der Sorte - eine Temperatur von 18 bis 20 °C als Empfehlung für eine konstante Ernte und konstante Qualität.
Im Vorfeld agieren
Wichtigste Voraussetzung für ein effizientes Folienmanagement ist das Agieren bei sich ändernden Umständen. Mit progressivem Handeln ist die Steuerung gewährleistet und die angestrebte Temperatur bleibt im Blick.
Abhängig von Bodenart, Bodenverfassung und Bodenfeuchte verläuft eine Änderung der Temperatur im Schnitt mit einer Geschwindigkeit von 5 bis 7 cm pro Stunde Richtung Rhizom. Somit lässt sich errechnen, wie lang das Zeitfenster zwischen dem Drehen der Folien und dem Effekt auf die Bodentemperatur - und damit das Wachstum - ist. Hierbei ist der Zeitpunkt innerhalb der Vegetation mit einzubeziehen. Im Frühjahr sind die Tage kurz und die Nächte lang. An sehr sonnigen Tagen im Frühjahr beginnt der Temperaturanstieg von einem niedrigen Niveau aus. In der zweiten Hälfte der Erntesaison ist die Sonneneinstrahlung an den längeren Tagen viel intensiver. Die Nächte sind kürzer und die Wärmeausstrahlung nach Sonnenuntergang ist geringer.
In der Praxis wird der wärmende Effekt der weißen Folie oftmals unterschätzt. Liegt die weiße Seite nach oben, wird die Erwärmung des Bodens gemindert. Die weiße Seite leitet allerdings immer noch 60 % der Wärme zum Boden ab. Dies ist auch der Grund, warum die Folie frühzeitig auf weiß gedreht werden soll. Die weiße Seite hat aber keine aktiv kühlende Wirkung. Sie reflektiert nur teilweise die Sonnenstrahlung.
Folienmanagement bietet die Möglichkeit zur Beeinflussung der Dammtemperatur um 6–8 °C. Eine genaue Temperatursteuerung ist sicherlich stark abhängig von Umwelteinflüssen, aber man kann mit einer solchen Temperaturreichweite einen großen Unterschied in Qualität und Ertrag erreichen.
Durch frühzeitiges Drehen wird die Qualität gewährleistet bei weiterhin stabilem Ernteverlauf. Insbesondere beim Minitunnel mit Stäben quer über dem Damm ist es ratsam, zeitig zu drehen, auch schon auf Grund des beengten Arbeitsraumes zum Wenden der Folie. Wenn man zu lange zögert und die Temperaturen ansteigen lässt, hat man kaum Zeit zum Drehen der Folie und es droht die Gefahr negativer Auswirkungen auf die Stangenqualität. Aufblüher, Riefigkeit und andere Deformierungen werden dann prozentual sehr stark ansteigen.
Der Minitunnel ist unverzichtbar beim Folienmanagement. Es ist einfach, die Tunnelfolie aufzuziehen oder später wieder abzunehmen. Im Frühjahr herrscht an manchen Tagen eine sehr hohe Sonneneinstrahlung - tagsüber wird die Tunnelfolie abgenommen und am Abend wieder aufgelegt. Diese Verfahrensweise wird praktiziert, wenn die Obergrenze des verträglichen Limits der Bodentemperatur angestrebt wird.
Beim Tunnel mit Querstäben liegt die Tunnelfolie entweder auf den Bügeln oder sie ist abgenommen und liegt auf dem Boden. Beim System Engels kann die Tunnelfolie auch direkt auf dem Damm abgelegt werden. Dies ist vorteilhaft, wenn es tagsüber sehr sonnig ist und noch kalte Nächte vorherrschen.
Ein sehr wichtiger Aspekt beim Minitunnel ist das Handling der Folie. In der Praxis wird die Folie meist mit viel Kraft über die Stäbe gezogen. Zuvor wurde sie in der Fahrgasse abgelegt. Hier läuft das Erntepersonal dann über die Folie, wodurch sie noch zusätzlich verdreckt und beschädigt wird. Die Effekte, die man mit Verwendung der Folie erreichen möchte, nehmen damit rasant ab. Beim Minitunnel von Engels liegt die Folie stramm entlang des Dammes und wird durch die Spargelspinne aufgenommen – die Verschmutzung der Folie ist damit minimal.
Generell ist die Wirkung eines Kleintunnels am effektivsten, wenn die Tunnelfolie stramm über die Stäbe gespant ist und die Sandtaschen unten am Damm anliegen. So ist der Tunnel auch am windstabilsten. Die Folie muss transparent und möglichst unbeschädigt sein. Ist die Folie in einem schlechten Zustand, sollte man überlegen, ob sie die Kosten noch einspielt.
Auch Potenzial für die spätere Saison
Im Frühbereich wird viel mit Folien und Folienmanagement gearbeitet. Doch es liegt auch noch Potenzial in der späteren Saison. Folienmanagement kann man über die gesamte Erntesaison einsetzen. In den vergangen beiden Jahren war dies durch die Witterung nur bedingt möglich, aber es bieten sich durchaus Chancen, wenn im Vorfeld schon Vorbereitungen getroffen werden.
Ein Problem, das immer wieder bei extremer Verfrühung entsteht, ist das Einbrechen von Anlagen noch bevor die darauffolgenden Flächen ausreichenden Ertrag bringen. Sind die darauffolgenden Flächen zeitig in Ertrag, schaffen die Bestände es oftmals nicht bis zum Ende der Erntesaison, eine ausreichende Qualität zu produzieren. Es ist daher unerlässlich, die Erntesaison in Partien mit dem Ziel aufzuteilen, konstante Erntemengen und Qualitäten über die gesamte Saison zu produzieren. Diese Aufteilung kann durch die Sortenwahl und Pflanztiefe vorgegeben werden. Mit Hilfe eines gezielten Folienmanagements wird dieser Effekt weiter verstärkt.
Wenn die Witterung es ermöglicht, kann es finanziell sehr interessant sein, eine späte Anlage unter Minitunnel zu kultivieren. Der Minitunnel sorgt dafür, dass die Ernte zu einem bestimmten Datum mit ausreichenden Tagesmengen beginnen kann. Die Flächen aus der Saisoneröffnung werden zeitgerecht aus der Produktion genommen und die Pflanzen haben genügend Zeit zum Regenerieren für die nächste Saison. So wird vermieden, dass eine sehr ertragreiche Frühsorte übererntet wird. Den tatsächlichen Effekt des Übererntens erkennt man oft erst ab dem vierten Erntejahr.
Für den Minitunnel auf einer späteren Fläche kann auch eine ältere Tunnelfolie verwendet werden. Diese bietet oftmals noch ausreichend Kapazität, um den Damm zu erwärmen. Wenn eine spätere Fläche im Ertrag ist, wird das Folienmanagement zur Regulierung der Bodentemperatur angewendet. Wetterbedingt stößt man an die Grenzen des Möglichen, aber es bietet das Instrumentarium zur Bestimmung der Zielrichtung.
Um bis zum Ende der Saison ausreichend Spargel von guter Qualität zu produzieren, ist es notwendig, Parzellen zu verspäten. Im Herbst werden dazu die Dämme gezogen und mit weißer Folie abgedeckt. Die weiße Folie bleibt bis zum Entschluss, die Parzelle in Produktion zu nehmen, oben. Oftmals haben diese Parzellen ein Problem, richtig in Produktion zu kommen. Dieses Problem entsteht, weil die Pflanze zwar einen Reiz durch die Wärme bekommen hat, dieser Reiz sie aber nicht zum Wachsen bringt. Eine Alternative besteht darin, die Flächen erst im Frühjahr aufzudämmen und mit weißer Folie abzudecken. Wenn die Dämme im Frühjahr gezogen werden, ist der Boden noch kalt. Man baut mit diesem kalten Boden den Damm auf. Durch die Abdeckung mit weißer Folie wird diese Kälte gespeichert.
Optimale Qualität anstreben
Bei der heutigen Marktentwicklung ist eine optimale Qualität immer anzustreben. Eine bestimmte Erntemenge ist sicher erforderlich, um den Anbau zu rechtfertigen. Dennoch lohnt es, auf Qualität zu setzen. Die Marktpreise der HKL1 liegen auch im Verhältnis zu den Produktionskosten deutlich über dem Preisniveau von HKL 2. Dabei sind die Fixkosten fast identisch. Daher ist es sehr sinnvoll, die Qualität als Ziel zu setzen – und dies auch unabhängig davon, dass durch verschiedene Einflussfaktoren und die Bodenbeschaffenheit die Produktion von unerwünschten Qualitäten nicht vermieden werden kann.
Viele Qualitätsmängel entstehen durch eine unerwünschte Bodentemperatur. Diese ist oftmals zu hoch. Aber auch eine zu niedrige Bodentemperatur kann zu Problemen mit der Qualität führen. Riefigkeit oder deformierte Stangen sind die am häufigsten ausgeprägten Symptome, und dies oftmals in Kombination mit geringen Tagesmengen.
In den zurückliegenden Jahren hat der Sektor aber oftmals mit zu hohen Bodentemperaturen gekämpft. Aufblüher als Folge sind das bekannteste Symptom. Ein wichtiger Indikator zu hoher Temperaturen im Damm ist der gelbe Abschnitt der Stangen direkt unter dem Kopf. Dieser verfärbt buttergelb bei einer Temperatur oberhalb von 35 °C. Bei 40 °C wird der Kopf weich, da die Eiweißstruktur im Kopf sich ändert. Dies ist meist der Fall, wenn der Kopf gegen die Folie drückt, und passiert auch, wenn die weiße Seite oben liegt.
Das Erhöhen der Erntefrequenz ist daher in solchen Situationen die beste Lösung, leider aus praktischen Gründen aber oftmals nicht durchführbar.
Deshalb gilt die Empfehlung, zeitig auf weiß zu drehen und falls nötig, die Tunnelfolie abzunehmen, um die Qualität so lange wie möglich zu sichern. Obwohl tägliches Ernten bei hohen Temperaturen – insbesondere auf reinen Sandböden – empfohlen wird, geht der Trend in der Praxis zu längeren Intervallen über, um so auf den ersten Blick die Personalkosten zu senken.
Doch (zu) lange Intervalle zwischen den Stechdurchgängen beeinflussen die Qualität des Spargels oftmals negativ. Erntefrequenz und Folienmanagement sind auch bei der aktuellen Entwicklung von Ernterobotern ein Thema, das seine Wichtigkeit behält, weil die Stangen auch oberhalb des Dammes wachsen und gegen die Folie drücken. Die Sicherung der Qualität ist nur möglich, wenn nicht an der Grenze des Machbaren gearbeitet wird. Oftmals wird diese Grenze erreicht, um maximale Tagesmengen zu ernten. In der Praxis besteht dann kein Puffer mehr, wenn das Wetter nicht der Vorhersage entspricht oder der Ernterhythmus nicht eingehalten werden kann.
Grünspargel unter Minitunnel – ein (noch) schwieriges Thema
Folienmanagement ist zu einem immer wichtigeren Instrument geworden. Im Anbau von Bleichspargel ist schon viel Wissen dazu vorhanden. Im Grünspargel sind die Wissenslücken hingegen noch sehr groß und die Erfahrungen recht dürftig. Es werden diverse Versuche und Verfahren durchgeführt, doch die Schwierigkeit bleibt, die Temperatur im Minitunnel zu stabilisieren. In der Praxis haben viele Anbauer ein eigenes System entwickelt, um in ihrem Betrieb Grünspargel im Minitunnel anzubauen. Ein wirtschaftlicher Grünspargelanbau ist zu Beginn der Saison ohne Tunnel eine große Herausforderung, Ertrag und Qualität müssen passen.
Um die Qualität zu gewährleisten, ist an sonnigen Tagen das Öffnen der Tunnel tagsüber ebenso ein Muss wie das Schließen am Abend. Es ist nicht nur die Sonne, die die Köpfe verbrennt, sondern auch wichtig zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit im Tunnel. Wenn der Spargel explosiv wächst und eine hohe Luftfeuchtigkeit im Tunnel vorherrscht, kann der Kopf schon beginnen zu faulen, bevor eine Stange geerntet ist. Dies ist ein Thema, wenn der Boden noch feucht und die Sonneneinstrahlung recht hoch ist.
Unter einer Minitunnelfolie kann die Temperatur auf über 60 °C steigen. Deshalb muss die Folie zeitig abgenommen werden, um Verbrennungen und matschige Köpfe zu vermeiden. Folienmanagement im Grünspargel ist basiert auf den Parametern Sonneneinstrahlung sowie Luftfeuchtigkeit im Minitunnel. Weil die Stange überirdisch wächst und nicht abgeschirmt wird, ist sie allen Elementen ausgesetzt. Daher sollte keine neue Thermofolie auf Grünspargel genutzt werden.
Die Folienfabrikanten wollen in Kürze Folien, die spezifisch für den Anbau von Grünspargel im Minitunnel geeignet sind, auf den Markt bringen. Diese Folien sollen die direkte Einstrahlung der Sonne vermindern, den Temperaturanstieg tagsüber reduzieren und Temperaturspitzen abflachen - eine interessante Entwicklung, die das Potenzial von Grünspargel weiter anheben könnte.
Rund um das Folienmanagement
Die Temperaturführung mittels Folienmanagement besteht aus vielen Bausteinen. Effektiv wird Folienmanagement erst, wenn auch die Umweltfaktoren und deren Bedeutung berücksichtigt werden. Ein sehr entscheidender Faktor ist die Bodenfeuchte. Feuchtigkeit leitet die Wärme besser durch den Boden nach unten ab. Dies fördert die homogene Erwärmung des Bodens und flacht Erntespitzen ab. Wenn im Herbst aufgedämmt wird, ist der Boden oftmals gut feucht. Allerdings gelangt im Winter fast keine Feuchte mehr in den Damm. In den letzten Jahren wurde zunehmend festgestellt, dass der Damm während der Erntesaison zu trocken ist. Durch das Aufdämmen ist fast keine kapillare Wirkung vorhanden und die Dammstruktur auf Grund der Trockenheit oftmals sehr mangelhaft. Dies hat nicht nur Einfluss auf die Temperaturregulierung, sondern auch auf die Stangenqualität.
Die Dammstruktur ändert sich auch während der Ernte. Durch den Erntevorgang wird die Homogenität des Bodens verändert. Damit ändert sich auch die Temperaturverteilung im Boden, was wiederum eine Auswirkung auf die Stangenqualität hat. Deshalb ist für eine Parzelle, von der schon viel geerntet wurde, ein progressiveres Folienmanagement notwendig als bei einer Parzelle, die nur kurz in Produktion ist.
Um ausreichend Feuchte im Damm zu halten, ist das Abnehmen der Schwarz-Weiß-Folie kritisch zu betrachten. Man sollte darauf achten, dass nicht mehr Folie auf einer Länge des Dammes abgenommen wird, als in den nächsten fünf bis zehn Minuten beerntet werden kann. Oftmals liegt die Folie für längere Zeit nicht auf dem Damm, Wasser verdunstet und die Qualität der sensiblen Spargelköpfe leidet massiv.
Nicht zu unterschätzen ist dabei die Bodenart. Ein Sandboden reagiert schneller und heftiger als ein Lehmboden.
Ton Smolders, Aspavanza
Kernsätze:
Folienmanagement ist das Werkzeug, um aktiv zu steuern, wenn die Umwelteinflüssen sich ändern.
Wer aktiv steuert gibt die Richtung vor und macht Profit.