18.04.2023
Zeit online: Erdbeeranbau in Spanien sorgt für Streit

Foto: Valenta
Die Erdbeerproduktion nahe einem bedrohten Weltnaturerbe in Andalusien wird vor Wahlen im Mai zum Konfliktherd. Die Früchte werden vor allem nach Deutschland exportiert.
Der Anbau von Erdbeeren, die vor allem in Deutschland gegessen werden, bedroht in Spanien ein Naturparadies. Direkt an dem vom Austrocknen bedrohten Feuchtgebiet und Unesco-Weltnaturerbe Doñana im Südwesten des Landes kündigte die konservativ regierte Region Andalusien an, die zulässige Anbaufläche um weitere rund 800 Hektar auszuweiten. Umweltschützer und Forscher warnen vor Naturschäden, die EU droht mit Sanktionen. Die Unesco droht, der Nationalpark Doñana könnte von der Weltnaturerbe-Liste fliegen. Auch die Zentralregierung in Madrid ist verärgert.
Der Streit zwischen Politikern in Madrid, Sevilla und Brüssel, zwischen Ökologen und Landwirten verschärfte sich Mitte April. "Doñana wird nicht angefasst!", lautete die erste Reaktion von Ministerpräsident Pedro Sánchez, als er am Rande einer Veranstaltung in Bilbao seinen Widerstand bekräftigte. Die Regionalregierung von Andalusien ließ dagegen ihrerseits durchblicken, Madrid erwäge, die Region unter Zwangsverwaltung zu stellen. Das gab es in der spanischen Demokratie nur einmal, und zwar Ende 2017 mit Katalonien, wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen. Die Zentralregierung aber bestritt am Samstag entsprechende Pläne.
Der 1969 gegründete Nationalpark Doñana ist, eine ihn umgebende Pufferzone mitgerechnet, gut 122.000 Hektar groß und damit etwa halb so groß wie das Saarland. Der Grundwasserspiegel geht schon seit Jahren dramatisch zurück, wie WWF und andere Umweltschutzorganisationen bemängeln. Der Grund: Legale und illegale Brunnen werden benutzt, um große Wassermengen vor allem für Frucht- und Gemüseplantagen, aber auch für den Tourismus abzuzweigen. Ökologen machen für die Misere auch den vom Menschen verursachten Klimawandel und den Regenmangel verantwortlich.
Erdbeeranbau wichtiger Wirtschaftszweig in Andalusien
Laut WWF verbraucht die Produktion von einem Kilogramm Erdbeeren 300 Liter Wasser. Der Erdbeeranbau erhöht zudem auch die Nitratbelastung des Wassers.
Die Landwirtschaft aber ist der Motor der äußerst strukturschwachen andalusischen Provinz Huelva. Nach Angaben des Branchenverbandes Interfresa hingen 2021 daran 100.000 Arbeitsplätze. Die Produktion schafft knapp acht Prozent des andalusischen Bruttoeinkommens. Von den 360.000 Tonnen, die 2021 in Spanien produziert wurden, kamen 90 Prozent aus Andalusien. Ein Drittel davon wurde nach Deutschland exportiert.
Vor den Regional- und Kommunalwahlen am 28. Mai und der Parlamentswahl Ende des Jahres könnte die Erdbeerproduktion zum großen Konfrontationsthema werden. Die konservative Opposition warf Premier Sánchez bereits vor, die Probleme der Bauernfamilien in Andalusien zu ignorieren.
Quelle:
Zeit online