28.09.2020
Bekämpfung von Pestalotiopsis

Pestalotiopsis verursacht Rhizomfäule und Welke bei Erdbeeren, gut erkennbar die roten Blattstängel
Foto: Lieten
Pestalotiopsis ist vor allem als Fruchtfäule- und Blattfleckenkrankheit an Erdbeeren in subtropischen Gebieten bekannt. Aber in den letzten vier Jahren sehen wir, dass der Pilz auch das Rhizom und die Wurzeln befallen kann, was Welkeerscheinungen zur Folge hat. Pestalotiopsis spp. hat in den letzten Jahren auch in anderen Teilen der Welt (Spanien, Florida, Vietnam, Bangladesch, China) wesentlich zugenommen.
Symptome
Die Sorten `Sonata´, `Malling Centenary´ und `Elegance´ sind nicht nur für
Phytophthora cactorum anfällig, sondern auch für
Pestalotiopsis. Die Symptome gleichen sich und bei Welkesymptomen wird zumeist als Ursache eine Infektion mit
Phytophthora cactorum unterstellt. Bei
Pestalotiopsis ist zumeist nur der Haupttrieb oder Seitentrieb befallen. Die Pflanzen welken und bekommen rote Blattstiele. Wenn man das Rhizom durchschneidet, zeigt sich ein korkartiges Gewebe oben im Rhizom, häufig dicht bei den Blattachseln. Die Farbe ist Braun-rot und häufig etwas glasig marmoriert. Eine Verwechslung mit
Phytophthora cactorum ist leicht möglich. Durch die mangelhafte Wasser- und Nährstoffaufnahme zeigen die Erdbeerpflanzen aber häufig rote Blattstängel.
Kulturmaßnahmen
Befall wurde bisher vor allem bei Traypflanzen und in geringerem Maße auch bei Wartebeetpflanzen beobachtet.
Pestalotiopsis entwickelt sich gut bei relativ hohen Temperaturen zwischen 20 und 24 °C und hoher Feuchtigkeit. Frisch gepflanzte Wartebeete und Trayfelder, die tief pikiert oder gepflanzt wurden und viel beregnet werden, bilden daher eine ideale Umgebung für diesen Pilz. Bei beschädigten Pflanzen, sei es durch Abknipsen der Stolonen oder Blattstiele, Schnitt oder Mähen, erhöht sich die Gefahr einer Infektion sowohl von
Pestalotiopsis als auch von
Phytophthora cactorum. Sporen von
Pestalotiopsis können durch Spritzwasser, Maschinen oder Wind verteilt werden.
Anbautechnik
In der Praxis tritt
Pestalotiopsis bei Pflanzen, die zu tief pikiert oder gepflanzt sind, häufiger auf. Der Pilz geht in die Blattachseln hinein. Bei schlecht anwachsenden Pflanzen mit zu wenig Düngung, zu nassem Substrat und viel Beregnung entwickelt sich
Pestalotiopsis im frühen Herbst.
In 2018 wurde ein Versuch mit verschiedenen Substraten und einem Vergleich von Über-Kopf-Beregnung und Tropfbewässerung bei der Aufzucht von Traypflanzen von `Malling Centenary´ gemacht.
Tab. 1: Befall durch Pestalotiopsis bei Traypflanzen aufgezogen in verschiedenen Substraten und Vergleich Tropfbewässerung und Beregnung
| Substrat | System | Kultur Gewächshaus % Befall | Kultur Tunnel % Befall | Kultur Stellage % Befall |
| Kokos 100 % | beregnet | 2,3 | 16,2 | 10,3 |
| Kokos 100 % | Tropfbewässerung | 2,8 | 13,4 | 8,8 |
| Torf 50 %/Kokos 50 % | beregnet | 1,6 | 10,2 | 8,5 |
| Torf 50 %/Kokos 50 % | Tropfbewässerung | 1,6 | 9,6 | 5,7 |
Mit Tropfbewässerung waren die Pflanzen längere Zeit trocken im Rhizom und es gab weniger Infektion mit
Pestalotiopsis. Auch das Substrat spielte eine Rolle: war das Luft-Wasser-Verhältnis durch die Beimischung von Kokos günstiger, so trat weniger
Pestalotiopsis auf. Nasses Substrat, viel beregnet, verursachte mehr Befall in der anschließenden Produktionsphase.
Wirkung von Fungiziden untersucht
Es ist wenig darüber bekannt, welche Fungizide in der Erdbeerkultur eine gute Wirkung gegen Schwarze Wurzelfäule haben. Deshalb führten Fragaria Holland und Pcfruit in den vergangenen Jahren Versuche durch.
Im Verlauf von 2018 wurden in ihrer Entwicklung zurückbleibende und rotverfärbte Pflanzen der Sorte `Malling Centenary´ gesammelt und mit Hilfe von Multiscan-PCR-Tests analysiert. Es wurde
Pestalotiopsis spp. isoliert. Drei Stämme wurden weiter kultiviert und vermehrt, um in Laborversuchen herauszufinden, welche Fungizide eine hemmende Wirkung auf Sporenentwicklung und Myzelwachstum haben.
Keimtests
Für die Keimtests wurden verschiedene Fungizidkonzentrationen angemischt und in kleine Prüfröhrchen gefüllt. Anschließend wurde in jedes Röhrchen 100 µl Sporenlösung von den
Pestalotiopsis-Stämmen gegeben. Dann wurden die Röhrchen für 24 Stunden bei Zimmertemperatur inkubiert, um danach die Wirkung der Fungizide zu bestimmen, indem die Keimkraft der Sporen evaluiert wurde. Pro Röhrchen wurden 50 Sporen beurteilt, indem eine Punktzahl für die Länge des Keimschlauchs vergeben wurde. Auf diese Weise konnte für jede Fungizidvariante der Anteil gekeimter Sporen mit dem bei der Kontrollvariante (ohne Fungizid) verglichen werden. Die Wirksamkeit des Fungizids wurde anhand der Abnahme der Keimkraft im Vergleich zur Keimkraft bei der Referenz (0 ppm Fungizid) berechnet.
Myzeltests
Verschiedene Fungizidkonzentrationen wurden auf Nährboden in Petrischalen ausgebracht. In jede Petrischale wurden zwei Myzelstückchen der Pilze auf das Nährmedium platziert. Nach sieben Tagen Inkubation bei Zimmertemperatur wurde die Wirkung der verschiedenen Fungizide beurteilt, indem das Wachstum von
Pestalotiopsis auf dem Nährmedium gemessen wurde. Zur Berechnung der Wirksamkeit der Fungizide wurde das Pilzwachstum in den behandelten Petrischalen mit dem in einer unbehandelten Kontrollschale verglichen.
Die Ergebnisse dieser Tests geben Anhaltspunkte für die Wirksamkeit der verschiedenen Präparate. Das Kriterium für die Beurteilung dieser Tests ist der EC
50-Wert. Dies ist der Wert/die Konzentration, bei der 50 % Wirksamkeit (= 50 % Wuchshemmung im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle) erzielt werden.
Fungizid-Versuche 2016
In den ersten Versuchen im Jahr 2016 bei Pcfruit wurden folgende Fungizide getestet: Switch (Cyprodinil + Fludioxonil), Signum (Pyraclostrobin + Boscalid), Teldor (Fenhexamid), Paraat (Dimethomorf), Fenomenal (Fenamidone +FosethylAl), Frupica (Mepanipyrim), Pomarsol (Thiram), Rovral (Iprodione) und Sporgon (Prochloraz).
Allgemein können wir aus diesen Versuchen schlussfolgern, dass Paraat und Fenomenal keine Wirkung gegen
Pestalotiopsis hatten. Außerdem bekämpfen Mittel aus der Gruppe der Benzimidazole wie Carbendazim und Topsin und Botrytis-Mittel wie Teldor und Frupica diese Pilzkrankheit nicht. Die Wirkung von Rovral und Sporgon war bei diesen in vitro-Tests eher begrenzt. Die beste Wirkung gegen das Myzelwachstum und Keimkraft von
Pestalotiopsis zeigte Switch. Das Fungizid Thiram (Pomarsol, TMTD) zeigte eine relativ gute Wirkung gegen die Keimung von Konidien.
Fungizid Versuche 2018-2019
In der Praxis wird in den Niederlanden Banjo Forte gegen
Pestalotiopsis empfohlen. Fragaria Holland beauftragte Pcfruit 2018, die Wirkung von Banjo Forte und der Fungizide Luna Sensation (Fluopyram + Trifloxystrobin) sowie Beltanol in vitro zu testen. Als Vergleichsvariante wurde in dem Versuch Switch eingesetzt.
Das Präparat Banjo Forte ist eine Kombination von Dimethomorph (Paraat) und Fluazinam (Shirlan). Da Paraat, wie bereits getestet, keine Wirkung gegen
Pestalotiopsis hat, wurde 2019 der zweite Bestandteil Fluazinam separat getestet mit Shirlan.
Beide Produkte, Switch und Banjo Forte, hemmten die Sporenkeimung sehr gut. Auch zeigte in diesen Versuchen Switch die beste Hemmung des Myzelwachstums. Mit Shirlan wurden auch gute Ergebnisse erzielt. Luna Sensation hingegen war nicht erfolgreich gegen das Myzelwachstum und die Keimung von
Pestalotiopsis.
Die Zulassungssituation in den Niederlanden, Belgien und Deutschland hat sich letztes Jahr drastisch geändert: mittlerweile sind nur noch wenige Pflanzenschutzmittel zugelassen oder werden in Zukunft nicht mehr zugelassen sein.
Tab. 2: Wirksamkeit verschiedener Fungizide auf die Sporenkeimung von Pestalotiopsis (Pcfruit 2019)
| Keimung Pestalotiopsis | Wirkung bei Konzentration in ppm |
| Fungizid | 0.5 | 2 | 5 | 10 | 25 |
| Switch | | | | | |
| Shirlan | | | | | |
| Beltanol | | | | | |
| Luna Sensation | | | | | |
Tab. 3: Wirksamkeit verschiedener Fungizide auf das Myzelwachstum von Pestalotiopsis (Pcfruit 2019)
| Myzelwachstum Pestalotiopsis | Wirkung bei Konzentration in ppm |
| Fungizid | 0.1 | 0.5 | 1 | 2 | 5 | 10 | 25 | 50 |
| Switch | | | | | | | | |
| Shirlan | | | | | | | | |
| Beltanol | | | | | | | | |
| Luna Sensation | | | | | | | | |
Die verschiedenen Farben in den Tabellen geben die prozentualen Unterschiede in der Wirksamkeit der Fungizide wider. Wirkungsgrad Fungizid: Rot = < 25 %, Orange = 25-50 %, Gelb = 50-75 % , Grün = > 75 %, Dunkelgrün = 100 % Wirkungsgrad.
Schlussfolgerung
Die klassischen Pflanzenschutzmittel, die gegen Phytophthora eingesetzt werden, wie Paraat, Aliette oder Fenomenal helfen nicht gegen Pestalotiopsis. Das sind Fungizide gegen die Gruppe der Oomyceten. Da Pestalotiopsis zur Gruppe der Ascomyceten gehört, müssen ganz andere Fungizide zum Einsatz kommen. Im Allgemeinen haben Shirlan und Switch die beste Wirkung gegen Pestalotiopsis. Banjo Forte kombiniert die Bekämpfung gegen
Phytophtora cactorum mit Paraat und gegen Pestalotiopsis mit Fluazinam. Ein tiefes Pikieren der Stecklinge sollte vermieden werden. Ausreichende Wasser- und Nährstoffversorgung ist ausschlaggebend, um die Pflanzen gut im Wachstum zu halten. Aber schlechte Substratstruktur und zu viel Wasser begünstigen die Entwicklung von Pestalotiopsis. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist die nationale Zulassungssituation unbedingt zu beachten!
Philip Lieten, Fragaria Holland