28.09.2020

Damm okay?

Mit der Dammprinz 100 können Dämme bis 70 cm Höhe geformt werden. Die Dammformer sind mit abriebfestem Kunststoff verkleidet
Foto: Kühlwetter

  Neben der Corona-Pandemie gibt es (zum Glück) noch einige andere Themenfelder, die in der Praxis nach wie vor besonderen Stellenwert genießen und zu diesen Bereichen zählt zweifelsohne die Kulturtechnik. Auf Maschinenvorführungen zieht die Vorstellung von Dammfräsen das Interesse der Besucher immer wieder auf sich, den jeder Anbauer ist bemüht, mit einem möglichst optimalen Damm in die Erntesaison zu starten. Wenn der Spargelanbau in vielen Details in den zurückliegenden 20 Jahren durch eine Vielzahl kulturtechnischer und züchterischer Fortschritte deutlich an Effizienz gewonnen und die Flächen immer leistungsfähiger geworden sind, dann trifft dies natürlich in gleichem Maße auch auf die Technik und deren Anwendung zu. Schneller und präziser muss es heute gehen, der Pflanze optimale Wachstumsbedingungen bieten und dem Anwender eine Einsatzmöglichkeit auch bei nicht immer optimalen Voraussetzungen ermöglichen – und natürlich ist die Dammtechnik mit diesen gestiegenen Anforderungen an die Produkte konsequent fortentwickelt worden. Das „Ziehen der Dämme“ muss heute häufig in einer kurzen Zeitspanne erledigt werden, denn auf der einen Seite will man der Pflanze eine möglich lange Vegetation zur Einlagerung der für ihre spätere Leistung so wichtigen Kohlenhydrate lassen.  Auf der anderen Seiten drängt die Zeit zum Aufdämmen, da zumindest auf einem großen Teil der Flächen unter Minitunneln kultiviert wird und diese frühzeitig genug gedämmt sein müssen. Dabei ist es häufig nicht möglich bis zum Erreichen der optimalen Bodenfeuchte zu warten und vor allem auf lehmigen Standorten ist der Boden immer wieder mal „eigentlich“ zu feucht, aber die Zeit drängt. Im Frühjahr wiederholt sich dieses Szenario. Also sind die Dammfräsen im Laufe der Jahre immer größer und leistungsfähiger geworden, mit Rotoren von bis zu einem Meter Durchmesser, mit vor- und nachlaufenden Arbeitswerkzeugen, die auf Bodenart und Bodenzustand abgestimmt sind, mit immer stärkeren Getriebe, die auch für den Einsatz von Schleppern mit über 200 PS ausgelegt sind. Von den Praktikern werden immer häufiger hohe (bis ca. 70 cm hoch) und breite Dämme gefordert, die z.T. auch eine Kultur von Doppelreihen ermöglichen. Große Rotoren von bis zu 1 000 mm Durchmesser haben gegenüber Dammfräsen mit deutlich geringeren Rotordurchmessern den Vorzug, dass sie über einen besseren Eingriffswinkel verfügen, mehr  Erde bewegen und die über die Zapfwelle übertragene Kraft besser ausnutzen – je größer der Rotor, je geringer ist der Kraftbedarf zum Bewegen der gleichen Menge an Erde.  Die Mehrzahl der Hersteller setzt heute auf Dammfräsen mit zweireihiger Schlegelanordnung, angeboten werden aber auch Geräte mit dreireihiger Anordnung. Thomas Hermeler von HMF Maschinenbau empfiehlt, die Dammfräse so einzustellen, dass die vorderen Rotoren ca. 2–3 cm höher in die Erde greifen als die nachlaufende Rotorreihe, die dadurch mehr „Griff“ erhält und zudem bei schwereren Böden etwas mehr „Struktur“ im Damm ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Abstand zwischen den Rotoren. Hier hat jeder Hersteller sein eigenes Maß. Je enger der Rotorabstand, desto mehr streichen die Schlegel durch den Damm, was dazu führt, das mehr feinere Erde in den Damm geführt wird. Was bei leichteren Böden von Nachteil ist, ist bei schwereren Böden ein Vorteil. Natürlich spielt bei der Wahl der Rotorabstände auch die Reihenweite im Betrieb und das Kulturverfahren – hier insbesondere die Kultur in Doppelreihen – eine wichtige Rolle. Neben dem Rotordurchmesser ist natürlich auch die Rotordrehzahl  eine wichtige Kenngröße für den Kraftbedarf und letztendlich dann auch den Energiebedarf. Die Rotorgeschwindigkeiten und die Wahl der Zapfwellengeschwindigkeit variiert z.T. zwischen den Herstellern. Bei leichten Böden fährt man der Regel mit niedrigeren Rotordrehzahlen, bei schweren mit hohen Drehzahlen und 1 000er-Zapfwelle, um nicht zu viel Druck auf die Erde im Damm auszuüben, wodurch der Damm fester wird. Ein oberes und zwei seitliche Streichbleche sind Standard bei allen Herstellern – Unterschiede bestehen bei der Einstellung dieser Bleche, die in der Regel so beschichtet sind, das möglichst wenig (feuchte) Erde daran haften bleibt. Ideal ist es, die Dammfräse so einzustellen, dass die Rotoren gerade so viel Erde aufwerfen, dass ein glatter Damm entstehen kann. Wird zu viel Erde aufgeworfen, muss diese durch die Leitbleiche in den Damm gedrückt werden, der Damm wird zu fest, es wird übermäßig  Kraft und Energie gebraucht. Wird zu wenig Erde durch die Rotoren aufgeworfen, kann der Damm nicht richtig gefüllt werden, er bleibt zu locker und ist instabil - soweit zunächst einmal einige grundlegende Angaben. Zu den bekannten Herstellern von Dammfräsen zählen die Unternehmen Harlander, Hermeler, Prinz und Stöver. Harlander hat die Spargeldammfräsen SDF – 158/158 S und SDF – 168/168 M im Angebot. Beide Dammfräsen verfügen über Rotoren mit dreireihiger Schlegelanordnung. Beim Modell SDF – 158 ist ein Rotor mit 1 000 mm Durchmesser, bei der SDF 158 S mit 900 mm Durchmesser verbaut, jeweils bestückt mit 15 Schlegeln pro Seite. Die SDF 158 S kann für Reihenabstände ab 1,65 m, die SDF – 158 ab 1,75 m eingesetzt werden. Das größere Schwestermodell, die SDF-168 ist für Arbeitsbreiten variabel ab 1,90 m geeignet und ermöglicht sehr hohe Durchgänge zur Formung entsprechend voluminöser Dämme. Durch die neu entwickelten Spezialrotoren mit 18 Schlegeln pro Seite wird eine gute Krümelstruktur erreicht. Optional für dieses Modell ist eine hydraulische Höhenverstellung lieferbar. Die Firma Hermeler  hat die beiden Dampffräsen Leofant 24 und Leofant 32 im Angebot. Die Leofant 24 ist mit einem Rotor mit 900 mm und zwölf Schlegeln pro Seite ausgestattet und für eine Arbeitsbreite von 1,60–1,80 m Reihenabstand einsetzbar. Das größere Modell, die Leofant 32, verfügt über einen Rotor mit 1000 mm Durchmesser und ist mit insgesamt 32 Schlegeln bestückt. Die Leofant 32 ist mit verschiedenen Rotorabständen lieferbar und ermöglicht Dämme bis zu 80 cm Höhe und 120 cm Breite (unten gemessen). Als Besonderheit bietet Hermeler einen hydraulischen Erdabstreifer für die Rotorgehäuse an. Darüber hinaus ist ein Erdkeil verbaut, der dafür Sorge trägt, dass die Erde möglichst gleichmäßig zu beiden Seiten des Damms verteilt wird. Hersteller der Dammprinz-Modellreihe ist die Firma Prinz aus dem bayerischen Hörnbach. Die Dammprinz 100 verfügt über Frässterne mit 900 mm Durchmesser und ist für Reihenabstände ab 1,80 m vorgesehen. 32 nachstellbare Arbeitswerkzeuge sorgen für eine gute Bodenstruktur und Krümelung. Mit der Dammprinz 100 können Dämme bis zu 70 cm Höhe geformt werden. Das kleinere Modell, die Dammprinz, ist mit Frässternen mit einem Durchmesser von 750 mm, bestückt mit insgesamt 24 Arbeitswerkzeugen, ausgestattet und kann ab einem Reihenabstand von 1,50 m zum Einsatz kommen. Mit der Dammprinz können Dämme in einer Höhe von 30–55 cm und in einer Breite von 35–52 cm gezogen werden. Durch einen Umbausatz kann das Gerät auch für den Erdbeer/Gemüseanbau genutzt werden: Möglich sind dann Dammhöhen bis 40 cm und Dammbreiten von 42–65 cm. Die Spargeldammfräsen Dimitra 150 und Dimitra–H 165 werden vom Landtechnikunternehmen Stöver aus Bahrenborstel hergestellt. Das Modell Dimitra–H 165 ist ausgestattet mit Rotoren von 950 mm Durchmesser und 12 Schlegeln pro Rotor. Die Rotordrehzahl variiert zwischen 240 und 320 U/min (bei ZW 750/1000 U/min). Über stufenlos einstellbare Gummiräder wird die Arbeitshöhe festgelegt. Der Rotorabstand beträgt 1 650 mm. Das kleinere Modell Dimitra 150 besitzt Rotoren mit 900 mm Durchmesser, die in einem Abstand von 500 mm zur besseren Wartung angeflanscht sind. Als Sonderausstattung sind beschichtete Schlegel sowie eine Gelenkwelle Nockenschaltkupplung und seitliche Zustreicher lieferbar. Thomas Kühlwetter