07.05.2020
Ernteretter für Erdbeeren im Einsatz
Die Lahrer Zeitung berichtet über freiwillige Erntehelfer:
Sie heißen Greta, Daniel, Johannes, Waldemar, Chelsea und Sabrina und haben eins gemeinsam: Sie pflücken jeden Tag von früh bis spät süße rote Früchtchen. Sie sind Ernteretter aus der Ortenau und helfen bei der Erdbeerernte. Derzeit sind im Bereich des Obstgroßmarkts Mittelbaden (OGM) rund 200 Erntehelfer im Einsatz. Die Landwirte sind froh, dass es sie gibt.
Denn nachdem unsicher war, ob überhaupt langjährige Erntehelfer aus Polen und Rumänien kommen dürfen, kam von den Landwirten ein Hilferuf nach freiwilligen Helfern aus der Region. Der OGM legte eine eigene Plattform –
"Ernteretter Ortenau" – an.
Große Solidarität überrascht Obstbauern
Und siehe da, die Solidarität mit den heimischen Obstbauern war groß. "Der Bedarf bleibt bis zum Ende der Obstsaison", sagt der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft Obstgroßmarkt Mittelbaden, Wendelin Obrecht, selbst einer der großen Erdbeerbauern.
"Ohne die Helfer würden wir die Ernte nicht schaffen", ist auch Christoph Spraul aus Oberkirch dankbar für den Einsatz der regionalen Helfer.
Es sind Menschen, die sich in Kurzarbeit befinden, Studentinnen, Friseurinnen, Freunde und Verwandte, die kurzfristig eingesprungen sind und nun täglich die Steigen mit den Erdbeeren füllen, damit sie ab dem Obstgroßmarkt in alle Richtungen in den Handel gelangen.
Erntealltag entschleunigt sich
Für die Obstanbauer ist es auch eine neue Erfahrung. "Es gab sogar welche, die gar keine Entlohnung wollten. Sie wollten einfach nur helfen", berichtet Klemens Kammerer aus Renchen. Für ihn hat sich der Erntealltag durch die Einbindung der regionalen Helfer entschleunigt.
Derzeit beschränkt sich der Ernteeinsatz auf den Vormittag. Nachmittags bleibt auch Zeit für Pflegearbeiten in den Apfelanlagen oder das Anbringen der Hagelnetze.
"Wir sind viel flexibler. Wenn wir die freiwilligen Helfer brauchen, können wir sie rufen." Für Kammerer ist der diesjährige Ernteeinsatz auch ein Lernprozess. Seine Ernteretterin Chelsea aus Achern ist begeistert von der Arbeit. Sie denkt, dass sich auch in anderen Jahren regionale Helfer finden lassen.
Freude über Engagement der Freiwilligen ist groß
"Letzte Woche hatte ich noch gar keine Helfer. Aktuell habe ich bis zu elf regionale Mitarbeiter im Einsatz", erzählt Andreas Fies aus Oberkirch. Er sagt nur "Hut ab" vor der Leistung. Ohne den Einsatz der Freiwilligen hätte er drei Viertel seiner Erdbeeren nicht ernten können. "Alle haben gekämpft", freut er sich über das Engagement jedes Einzelnen.
Vorwiegend aus Familie und Freundeskreis kommen die Ernteretter von Christoph Spraul in Oberkirch. Viele von ihnen sind erstmals dabei und haben die harte Arbeit unterschätzt. Ohne sie "würde uns viel Einkommen fehlen", ist Alisia Spraul glücklich über die Hilfe.
Landwirte brauchen kontinuierlichen Einsatz
Allen Landwirten ist eines gemeinsam: Sie brauchen den Tages deckenden Ablauf, das heißt die Kontinuität des Einsatzes. "Der Bedarf an Erntehelfern bleibt variabel", betont Wendelin Obrecht. Bis zum Schluss der Obsternte im Herbst braucht es immer wieder Unterstützung.
Und keiner weiß, wie lange die Krise anhält und was sie allen noch abverlangt. Daher sind Helfer, die in der Leistung stabil sind und mit viel Motivation an die Arbeit herangehen "ein Traum für jeden Arbeitgeber", lobt Oberrecht vor allem seine Sabrina, die im normalen Berufsleben eigentlich Eventmanagerin ist.
Rund 2000 Kräfte wurden gebraucht
Insgesamt hatten sich über die Internet-Plattform des Obstgroßmarkts "Ernteretter Ortenau" rund 600 Helfer gemeldet. Die Registrierungen bleiben zunächst bestehen, damit bei weiterem Bedarf die Organisatoren schnell Kontakt aufnehmen können.
Denn geht bei einigen der Freiwilligen die Kurzarbeit zu Ende, oder beginnt das Studium müssen sie zurück an ihre eigentlichen Einsatzorte. "Wir bleiben am Ball und haben uns auch bei allen registrierten Helfern gemeldet", schildert der Geschäftsführende Vorstand des Obstgroßmarkts, Marcelino Expósito, die Lage.
Der Bedarf an Saisonarbeitskräften im Bereich der Obstgroßmarkts Ortenau liegt bei rund 2000 über die gesamte Saison.
Quelle: Lahrer Zeitung