11.11.2020

Kraege: Neues Konzept optimiert Anzucht von Traypflanzen

Bart van Schaijk, GEGE Machinebouw, Markus Staden, Geschäftsführer Kraege Beerenpflanzen, und Bob van de Meulengraaf stellen das neue Anzuchtsystem für Traypflanzen vor Traypflanzen vor
Foto: Kühlwetter

Traypflanzen-Produktion 2.0 Als Vermehrer von Grün- und Frigopflanzen genießt das in Telgte bei Münster beheimatete Unternehmen Kraege Beerenpflanzen in Deutschland und zahlreichen weiteren europäischen Staaten einen Ruf. Zumindest in Deutschland weniger bekannt ist, dass Kraege Beerenpflanzen auch seit Jahren Traypflanzen produziert. Mit einem neuen Anzuchtsystem, das auf Initiative und nach den Vorstellungen von Markus Staden, Geschäftsführer von Kraege Beerenpflanzen, entwickelt wurde, beschreitet das Unternehmen nun im Hinblick auf die Rationalisierung des Anzuchtprozesses und die Qualität der Pflanzen einen völlig neuen Weg. „Wer eine Frigo- oder Grünpflanze kauft, ist für die Reproduktion der Blüten selbst verantwortlich“, erklärt Markus Staden, „und wenn man eine Kultur oder Pflanze nicht im Griff hat, kann das Ergebnis enttäuschend sein. Ein Kunde, der eine Traypflanze kauft, verlangt aber eine verlässliche Qualität und diese muss immer identisch reproduzierbar sein“. Mit dieser Aussage hat er mit wenigen Worten zusammengefasst, was sein Ziel bei der Optimierung der bisherigen Verfahren zur Anzucht von Traypflanzen ist: Eine qualitativ hochwertige Pflanze mit festgelegten Eigenschaften, die nicht aus einem Zufall heraus entstehen, sondern Jahr für Jahr reproduzierbar sind. Hohe Erwartung an Pflanzenqualität Da die Investition der Anbauer in anspruchsvolle, geschützte Kulturverfahren unter hochwertigen Tunnel oder im Gewächshaus auf Stellage beträchtlich ist, erklärt dies gleichzeitig auch deren Erwartung an die Pflanzenvermehrer beim Kauf von Traypflanzen. Denn wenn 6 bis 7 kg Ertrag/lfm geplant sind und nur 3 bis 4 kg/lfm erzielt werden, weil die Pflanzenqualität nicht gestimmt hat, ist der wirtschaftliche Schaden immens. „Ich möchte nicht mit meinen Kunden darüber diskutieren, warum ein zu geringer Ertrag erzielt wurde und habe nach einem verlässlichen System zur Pflanzenanzucht gesucht“, betont Markus Staden. Optimierung des Anzuchtverfahrens Er hatte die Idee, einen Tray zu verwenden, bei dem alle Pflanzen in gleichem Abstand zueinander stehen, losgelöst vom Boden oder einem Antiwurzeltuch – aber nicht zu hoch, sodass die Erwärmung durch die Erde noch spürbar ist. Bei der Umsetzung seiner Idee wurde er durch die Unternehmen Beekenkamp (Anzuchttrays), Meteor Systems (Rinnensysteme) und GEGE Machinebouw (Transportsystem mit Arbeitsplattform und Rankenschneider) unterstützt. Nach mehreren Tests ist ein System entstanden, das die genannten Faktoren entsprechend berücksichtigt. Verfahrenstechnik setzt neue Maßstäbe Wie bekannt, sind zur Anzucht von Traypflanzen hohe Wassermengen erforderlich. Da die in der Regel durch eine Oberflächenberegnung verteilt wird, ist eine möglichst effiziente Ausnutzung der Anzuchtfläche ein wichtiger Indikator für die Effizienz des Verfahrens. Der Abstand von Pflanze zu Pflanze sowie Geh- und Transportwege sind dabei wichtige Indikatoren. Mit einer fast 90 % Ausnutzung der Grundfläche (inklusiv aller Transportwege) setzt die neu entwickelte Verfahrenstechnik nun Maßstäbe. Joost van Ruyven hat mit seinem Kollegen von Beekenkamp Verpakkingen einen neuen 12-Loch-Erdbeertray mit einem Volumen von 250 ml/Loch und einem Ausmaß von 60 x 40 cm entwickelt, der Stadens Anforderungen erfüllt. Die Trays sind auf Europaletten stapelbar, können mit den üblichen Tray-Spülmaschinen gereinigt und mit den herkömmlichen Topfmaschinen mit Substrat gefüllt werden. Arbeitsplattform rationalisiert Abläufe Darüber hinaus wurde der Tray in Absprache mit GEGE Machinebouw so konzipiert, dass mit Hilfe der Arbeitsplattform, die auf einem Schienensystem eigenständig fahren kann, über das gesamte Trayfeld transportiert werden können. Der Einsatz dieser Arbeitsplattform reduziert den logistischen Aufwand enorm. Er ermöglicht den Mitarbeitern auch erhebliche Vereinfachungen bei manuellen Arbeitsvorgängen wie z.B. dem Stecken der Pflanzen, dem Entfernen von Unkraut, Blüten und Früchten. An der Arbeitsplattform, die in ihrer Geschwindigkeit stufenlos zwischen 0 bis 8 km/h bewegt werden kann, ist ein 24 m breites Spritzgestänge angebracht, mit dem alle erforderlichen Pflanzenschutzmaßnahmen und die Blattdüngung durchgeführt werden. In einer weiteren Ausbaustufe könnte die Arbeitsplattform auch als Gießwagen zur pflanzenschonenden und gleichmäßigen Ausbringung von Wasser genutzt werden. Doch dies ist momentan noch Zukunftsmusik auf den neuen gut 2 ha großen Trayfeld von Kraege Beerenpflanzen, auf dem ca. 1 Mio. Pflanzen aufgestellt sind. Rankenschneiden automatisiert Realität hingegen ist schon die Vorrichtung zum automatischen Schneiden der Ranken, die als Modul an der Arbeitsplattform angebaut werden kann. Das 1,5 m breite Modul ist bislang noch ein Prototyp, hergestellt von GEGE Machinebouw. Um diese Technik einsetzen zu können, mussten die Trays, in denen die Erdbeerpflanzen angezogen werden, entsprechend konzipiert werden. Sie weisen in Querrichtung zwischen den Pflanzlöchern eine vertiefte Rinne auf, die bei der Überfahrt mit dem Rankenschneider Freiraum für die rotierenden Scheiben bieten, die einem Sägeblatt ähneln und eine saubere Abtrennung der Ausläufer von den Erdbeerpflanzen gewährleisten. Damit diese Ranken nicht nur in Längs-, sondern auch in Querrichtung von den Pflanzen getrennt werden, durchkämmen an einem drehenden Band befestigte Hacken den jungen Pflanzenbestand vorsichtig in Querrichtung und legen die Ausläufer zur Seite hin ab, sodass auch diese sauber von den Pflanzen getrennt werden. Gegenüber herkömmlichen Verfahren bietet diese Technik eine erhebliche Arbeitsersparnis und leistet einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Rationalisierung des Anzuchtprozesses. „Doch nicht die Technik, sondern die Qualität der Pflanzen ist am Ende das Entscheidende“, betont Markus Staden. Das Unternehmen Kraege zieht die Traypflanzen auf mehreren Fläche an – eines der Felder, das ebenfalls ca. 2 ha groß, ist mit der gleichen Technik ausgestattet wie das neue Trayfeld, allerdings fehlt doch noch die bewegliche Arbeitsplattform. Investition in die Zukunft „Das neue Trayfeld ist eine Investition in die Zukunft und auf einen Nutzungszeitraum von 10 bis 20 Jahre ausgerichtet. Es ist nicht möglich, das investierte Kapital kurzfristig wieder zu erwirtschaften, so wie dies bei der Anzucht von Frigo- oder Grünpflanzen meist üblich ist, dafür sind die Kosten zu hoch“, räumt Staden ein. Dies schlägt sich auch im Preis der Traypflanzen nieder, die ca. 3 bis 4 ct./Pfl. teurer sind als Traypflanzen von einem „Old School Field“. Dennoch ist die Nachfrage sehr hoch und Markus Staden könnte deutlich mehr Traypflanzen, die mit diesem System angezogen werden, verkaufen. Die Kunden stammen vorwiegend aus Großbritannien und den skandinavischen Ländern. Aufgepflanzt sind überwiegend `Malling Centenary´ und in einem kleineren Umfang `Flair´. Frühes Stecken verlängert Wachstumsperiode Die Pflanzen wurden schon sehr früh, am 10. Juni, gesteckt - allgemein üblich ist sonst ein Termin am 15. Juli. „Dieser frühe Stecktermin begünstigt die Entwicklung der Pflanzen“. Markus Staden nimmt eine Pflanze aus dem Tray, zeigt wie kräftig das Wurzelsystem entwickelt ist und wirft einen Blick auf das Blattwerk und den Habitus der `Malling Centenary´-Pflanze: „Diese Pflanze hat schon drei Seitenkronen gebildet und wird voraussichtlich mindestens sieben Blütenstände hervorbringen, 500 bis 700 g Ertrag sollte möglich sein“. Und bis zum Räumen des Trayfeldes Anfang Dezember wird die Entwicklung der Pflanzen noch weiter voranschreiten. Thomas Kühlwetter