14.06.2021

Saison noch im Corona-Modus

„Ungeachtet vom wirtschaftlichen Geschehen, war dies bislang für die meisten Betriebe keine einfache Saison.“

Auch wenn so langsam die Hoffnung auf eine Rückkehr zu einer gewissen „Normalität“ in unserem Leben und Alltag immer mehr konkrete Form annimmt, wird der „Corona-Modus“ der uns nun schon viel zu lange begleitet, zumindest auf absehbare Zeit das Geschehen und die Abläufe auf den Betrieben weiter bestimmen. Und das ist eine harte Prüfung für alle Beteiligten. Zwei Faktoren haben den bisherigen Ablauf der Saison 2021 in besonderer Weise geprägt: Die Corona-Pandemie sowie alle damit verbundenen Einschränkungen und Maßnahmen, die aber auch in der vorherigen Saison schon Bestand hatten, und das Wetter. Nach dem seit vielen Jahren kältesten April folgte der kälteste Mai seit 2010. Die Maitemperaturen lagen um 1,4°C unter dem Referenzwert der Periode 1961 – 1990 und sogar um 2,4°C unter dem Referenzwert der Periode 1991 – 2020. Und dies hatte gravierende Folgen für den Ernteverlauf und die Erntemengen unserer Spargel- und Erdbeerkulturen. Im Vergleich zum Vorjahr war es den meisten Betrieben gelungen, ausreichend Saisonarbeitskräfte zur Bewältigung der erwarteten Erntemenge zeitgerecht anreisen zu lassen und damit war eine wichtige Voraussetzung für einen weitgehend reibungslosen Saisonverlauf geschaffen. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, welch hohe Anforderungen – sowohl wirtschaftlich als auch im Hinblick auf die mentale und psychische Belastung – mit der Umsetzung der erforderlichen Hygiene- und Quarantänemaßnahmen oder mit der Unterbringung der Mitarbeiter verbunden sind. Auch nicht vergessen werden darf, welche Disziplin Tag für Tag gefordert ist, um diese Vorgaben auch entsprechend in die Praxis umzusetzen. Im Fortgang um die Diskussion zur Erderwärmung werden die extrem niedrigen Durchschnittstemperaturen von April und Mai oder der Mangel an Sonnenscheinstunden wohl kaum eine Rolle spielen, für den Ernteverlauf auf den Betrieben hatten sie jedoch gravierende Auswirkungen. Die unter durchschnittlichen Bedingungen erwarteten Erntemengen blieben aus, Warenknappheit bestimmte zumindest bis Ende Mai den Verlauf auf den Märkten. War schon die vorausgegangene Saison in diesem Aspekt etwas außergewöhnlich, so wurde sie durch die aktuelle Saison nochmals getoppt. Selbst erfahrene Betriebsleiter haben Ähnliches zuvor wahrscheinlich noch nicht erlebt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Ausprägung der Rückgänge in der Erntemenge mit Blick auf die Bundesrepublik oder auch auf deren Nachbarländer erhebliche regionale Unterschiede aufweist. Im Schnitt waren die Mengeneinbußen in den südlicheren Anbaugebieten deutlich geringerer im Vergleich zu den nördlicheren Regionen. Ungeachtet vom wirtschaftlichen Geschehen, war dies für die meisten Betriebe keine einfache Situation. Über weite Strecken waren die Saisonmitarbeiter nicht ausgelastet, was natürlich zu Unmut auf allen Seiten führt. Und je länger diese Phase andauert, desto mehr spitzt die Situation sich zu, falls nicht gute alternative Lösungen z.B. durch die Vorwegnahme von Arbeiten in anderen Bereichen der Betriebe gefunden werden, was ab einer gewissen Betriebsgröße oder der Fokussierung auf nur wenige Kulturen oftmals kaum umsetzbar ist. Die nahezu permanent vorherrschende Warenknappheit führte auf der einen Seite zu einem im Vergleich zum Durchschnitt vieler Jahre allgemein sehr hohen Preisniveau. Zum Teil wurden über lange Phasen Preise gefordert und erzielt, die man vor Jahren wahrscheinlich noch als jenseits der Realität abgestempelt hätte. Dabei darf man jedoch den „Corona-Effekt“ und dessen Auswirkungen auf das Leben und Kaufverhalten vieler Menschen nicht außer Acht lassen. Es wäre wahrscheinlich ein Trugschluss, aus der Preissituation des bisherigen Saisonverlaufes eine Ableitung für die Zukunft zu treffen. Mit Blick auf die Preise und das bisherige Marktgeschehen in  2021 müssen aber auch die nicht zu unterschätzenden Kostensteigerungen auf den Betrieben berücksichtigt werden. Und wer kann  schon erahnen, welche Richtung die weitere Diskussion um die Entwicklung der Mindestlöhne nach der Bundestagswahl im September nehmen wird. Doch nun heißt es zunächst einmal, den weiteren Verlauf der Saison – die beim Spargel schon kurz vor dem Abschluss steht – zu meistern und dann den Blick nach vorne zu richten. Die Interaspa Praxis steht Anfang September als erstes Treffen der Branche vor der Tür und die Organisatoren der expoSE und expoDirekt sind mit ihrer Planung zur Durchführung der Messe im November in Karlsruhe voll beschäftigt. Vorausgesetzt, die Corona-Entwicklung erlaubt es, ist der Weg zu ein wenig mehr Normalität, die wir alle uns wünschen, damit zumindest vorbereitet. Thomas Kühlwetter