14.06.2021
Zwei Betriebe – ein Team

Christina Ingenrieth und Philipp Klauth vermarkten ihren Spargel an diesem Stand in Erkelenz gemeinsam
Foto: Aldenhoff
Mit einem Gemeinschaftsstand testen Christina Ingenrieth und Philipp Klauth die Zusammenarbeit ihrer beiden zukünftigen Spargelbetriebe.
Sie liefert Weiß, er liefert Grün, fertig ist der Spargelstand! Ganz so einfach war es wohl nicht, als Christina Ingenrieth und Philipp Klauth sich entschieden, die Produkte der beiden Höfe, die sie übernehmen werden, gemeinsam zu vermarkten. Seit Mitte April beschicken sie den Verkaufsstand in Erkelenz-Scheidt direkt an der B 57 – ihre Erfahrungen nach den ersten Wochen sind positiv.
Philipp Klauth ist Nachfolger auf dem Spargelhof Heimanns in Erkelenz-Lövenich; noch ist die Betriebsübergabe nicht erfolgt, aber er leitet das Unternehmen gemeinsam mit den Inhabern Birgit und Klaus Heimanns. Über seine Ausbildungszeit lernte er den Betrieb kennen und ist seit 2016 dort Vollzeit beschäftigt. Neben grünem und weißem Spargel werden auch Einlegegurken, Kürbisse und Zucchini kultiviert. Vermarktet werden die Erzeugnisse im eigenen Hofladen sowie an den Lebensmitteleinzelhandel und die verarbeitende Industrie.
Christina Ingenrieth stammt vom Genholter Hof in Brüggen, wo ihre Eltern Gertrud und Hermann Ingenrieth neben dem Anbau von Spargel, Kartoffeln und Erdbeeren seit Jahren einen Hofladen, ein Bauernhofcafé, ein Spargelrestaurant sowie die Vermietung von Gästezimmern betreiben. Abgesetzt wird auch über Wochenmärkte sowie an Lebensmittelmärkte in der Region. Tochter Christina (28) ging zunächst mit einer Banklehre und einem BWL-Studium ihre eigenen Wege, bevor sie sich im letzten Jahr doch entschlossen hat, den elterlichen Hof im Jahr 2023 zu übernehmen.
Chance genutzt
Als Björn Hansen seinen Freund Philipp Klauth fragte, ob er Interesse hätte, den Spargelstand am Standort Scheidt zu übernehmen, zögerte der junge Mann nicht lange. Die Lage direkt an einer Bundesstraße und unmittelbar neben dem gut frequentierten Hofautomat der Familie Hansen, über den diese ihre eigenen Kartoffeln sowie Produkte aus der Region vermarkten, war vielversprechend. Schnell war klar, dass zwar der eigene Grünspargel, nicht aber der eigene Bleichspargel mengenmäßig ausreichen würde, um den Stand zu beschicken. Also holte Philipp Klauth seine Lebensgefährtin Christina Ingenrieth mit ins Boot, die den weißen Spargel liefern und aus 30 Jahren Erfahrung in der Direktvermarktung in ihrem elterlichen Betrieb schöpfen kann.
„Wir haben uns entschieden, das Beste aus beiden Betrieben in diesem Verkaufsstand zu vereinigen“, erzählt Christina Ingenrieth. „Dass wir damit auch gleichzeitig ausprobieren können, wie eine möglich zukünftige Zusammenarbeit beider Höfe aussehen kann, ist ein sehr positiver Nebeneffekt.“ Das junge Paar möchte auch in Zukunft zusammenarbeiten, wie das genau aussehen könnte, wissen sie noch nicht. Aber mit dem gemeinsamen Stand ist ein Anfang gemacht. „Wir übernehmen beide Höfe mit interessanten Geschichten, die es weiterzuschreiben gilt. Was künftig möglich ist, zeigt sich im Laufe der Zeit – aber allein die Hoftore nun so zu öffnen, verbindet die Höfe schon langsam“, ist die 28-Jährige überzeugt.
Kommunikation ist alles
Mit der Kundenfrequenz auf ihrem neuen Stand sind die beiden erst mal ganz zufrieden. Bewusst kommunizieren sie an ihre Kunden, dass es ein Gemeinschaftsstand von zwei Höfen ist. „Uns ist ungemein wichtig, dass die Kunden unsere Geschichte kennen und genauso spannend finden wie wir selbst“, betont Philipp Klauth. Ihr Verkaufspersonal am Stand haben sie entsprechend informiert und geschult. Mit einer engagierten Pressearbeit, die zu zwei Artikeln in Tageszeitungen geführt hat, sowie über Facebook und Instagram wurde auf das neue Projekt aufmerksam gemacht. Nebenbei erhoffen die Betreiber auf Synergieeffekte bezüglich der Bekanntheitsgrade ihrer Höfe, beispielweise neue Besucher der Hofcafés auf dem Genholter Hof.
Auch die Suche nach Verkaufspersonal gestalteten die zwei Jungunternehmer gemeinsam über die sozialen Medien und per Mund-zu-Mund-Propaganda. Gemeldet haben sich Personen jeden Alters. Vier engagierte Verkäufer wechseln sich nun mit der Betreuung des Standes ab, der mehrmals täglich mit frischer Ware versorgt wird. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 9 bis 14 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten kann geschälter Spargel rund um die Uhr am Verkaufsautomat der Familie Hansen erworben werden.
Kommunikation ist für das Paar auch intern das A & O. Ihren Mitarbeitern haben sie offen mitgeteilt, dass sie Neulinge sind mit ihrer Zusammenarbeit und dem Stand. Sicherlich kann mal was schief gehen, aber das wichtigste sei, dass stets über alles gesprochen wird. Diese Kultur der offenen Kommunikation wird von der Führungsebene vorgelebt.
Kooperation schafft Zukunft
Die Einnahmen vom Standverkauf gehen anteilig an die beiden Betriebe, je nach verkauften Mengen an Bleich- beziehungsweise Grünspargel. Die Kosten werden dementsprechend ins Verhältnis gesetzt.
Christina Ingenrieth und Philipp Klauth möchten mit ihrem Gemeinschaftsprojekt auch ein Zeichen setzen, dass die Zukunft der Landwirtschaft in der Zusammenarbeit der Betriebe steckt. Gemeinsam haben sie nicht nur die Personalfragen geklärt, sondern gestalten auch das Marketing sowie das angebotene Sortiment in enger Absprache. Zurzeit werde allgemein die Zusammenarbeit landwirtschaftlicher Betriebe in der Direktvermarktung – etwa durch den Austausch von Produkten – immer stärker. Regionale Produkte stehen bei den Verbrauchern hoch im Kurs. „Es ist ein Herzensprojekt, um zwei Höfe künftig in der Direktvermarktung zusammen zu bringen“, sagt Christina Ingenrieth über ihren gemeinsamen Spargelstand und Philipp Klauth nickt.
Sabine Aldenhoff