12.04.2022
Wenn Worte fehlen

Thomas Kühlwetter
Es ist Ende März 2022 – nach zwei Jahren im Schatten der Corona-Pandemie hat der Virus das Leben der Menschen immer noch fest im Griff. Auch wenn vielerorts die einschränkenden Maßnahmen gelockert wurden, sind die Infektionszahlen so hoch wie nie zuvor, aber der Virus hat – hoffentlich nicht nur vorübergehend – ein wenig an Schreckenskraft verloren. Doch nun überschatten die Ereignisse in der Ukraine und die nahezu weltweit spürbaren Folgen das Alltagsgeschehen.
Russlands Präsident Putin verändert mit seiner kriegerischen Handlung nicht nur die Verhältnisse in der Ukraine, er bringt unvorstellbares Leid über viele Menschen und die weltweiten Machtverhältnisse ins Schwanken. Die Auswirkungen sind schon weitreichend spürbar. Städte und Dörfer in der Ukraine liegen unter Beschuss, Millionen Menschen sind auf der Flucht oder müssen ihre Zeit in Schutzkellern verbringen. Tote, Verletzte und Gefangene sind zu verzeichnen, Angst, Not und Trauer bestimmen das Leben einer ganzen Nation. Das Leid und die menschlichen Tragödien sind mit Worten nicht zu beschreiben.
Am 29. März wurde von Russland eine Einschränkung der Kriegsaktivitäten und ein Rückzug der Truppen aus einigen ukrainischen Regionen angekündigt – wie ernst dies gemeint ist und ob damit möglicherweise ein Startschuss für Friedensverhandlungen oder eine Einigung gegeben wurde, ist einen Tag später nicht absehbar. Unabhängig davon, was passiert, wird die Welt eine andere sein als vor dem Einmarsch in die Ukraine.
Die Solidarität vieler Menschen mit dem ukrainischen Volk und das geschlossene Handeln vieler Staaten sind ein großes Signal. Dennoch haben die wirtschaftlichen Folgen schon jetzt eine fast historische Dimension erreicht und zeigen, wie fragil das globale Konstrukt ist.
Die Erschwernis internationaler Finanztransaktionen hat die Börsen erschüttert und den Warenverkehr sowie die Warenströme binnen kurzer Zeit verändert. In den Krisenregionen wird die Versorgungslage zunehmend kritischer, Lebensmittel und Energie werden knapp. Die Auswirkungen der Krise sind auch hierzulande unverkennbar, ein Blick auf die Zapfsäulen, die Entwicklung der Energiepreise oder der Rohstoffmärkte und die Regale in den Supermärkten lässt erahnen, was noch passieren wird, wenn nicht in Kürze eine Friedensabkommen oder ein Ende des Konflikts erreicht werden kann.
Für den Export nach Russland vorgesehene Produkte werden sich einen neuen Bestimmungsort suchen müssen, ob dies Äpfel aus Polen. Erdbeeren aus Ägypten, Tomaten aus Spanien oder Marokko sind. Die Folgen kennen wir. Wir stehen in/vor der Hauptsaison für viele unserer heimischen Erzeugnisse, aber es bleibt sehr zweifelhaft, ob kurzfristig ein Weg zurück zur alten Normalität möglich ist.
Beim Erscheinen dieser Ausgabe wird die Spargelsaison auf vielen Betrieben im Gange sein und die Vorbereitungen auf den Saisonstart bei den Beeren laufen auf Hochtouren. Die Bewältigung der Corona-Pandemie und die anstehende Erhöhung des Mindestlohns beschäftigen unsere Branche schon weit über alle Maße. Völlig unklar ist, welche Auswirkungen der Konflikt in der Ukraine für den Bereich der Saisonarbeitskräfte haben wird. Wie ist die Bereitschaft der Menschen in Polen, Rumänien, Bulgarien in dieser Situation ihre Heimat zu verlassen um eine Saisontätigkeit in Deutschland aufzunehmen? Werden Studenten aus der Ukraine in dieser Situation zur Saisonarbeit nach Deutschland kommen können? Wie sieht es möglicherweise mit der Beschäftigung ukrainischer Flüchtlinge aus?
Wie werden die Verbraucher oder der Handel in unsicheren Zeiten und vor dem Hintergrund allgemein steigender Lebenshaltungskosten auf die unvermeidbaren Preissteigerungen bei Spargel und Erdbeeren reagieren. Dies alles sind nur einige der ungeklärten Fragen, auf die wir in den nächsten Wochen und Monaten Antworten erhalten werden. Hoffentlich sind es Positive!
Was bleibt also, in einer Situation, in der die Worte manchmal fehlen, als Ihnen, Ihren Betrieben und Mitarbeitern im Namen unserer Redaktion Mut und Zuversicht sowie alles Gute für die bevorstehende Saison zu wünschen, damit sie in Ihrem Sinn erfolgreich verläuft.
Thomas Kühlwetter
Auf die vielen ungeklärten Fragen werden erst die nächsten Wochen und Monate eine Antwort geben können.