12.04.2022
Erfolgreicher Start mit neuem System

Joachim Thees arbeitet seit zwei Jahren mit einem neuen Anbauverfahren auf seinem Betrieb
Foto: von der Decken
Wenn man Erdbeeren - und insbesondere Remontierer - auf den Mulchfoliendamm setzt, entstehen häufig im August/September Probleme mit dem Unkraut zwischen den Reihen und dem Mikroklima, das für die Früchte zu feucht ist. Joachim Thees aus Wardenburg ist Obstbauer und Tüftler, er hat u.a. eine dreireihige Dammmaschine entwickelt und patentieren lassen. Vor zwei Jahren ist er mit einem neuen Anbausystem gestartet.
Bei diesem ebenfalls patentierten System werden die Erdbeeren auf einen Erddamm gesetzt, der sich aber von den bekannten Dämmen in einigen Punkten unterscheidet. Mit einem Dammformer werden in einem Arbeitsgang drei jeweils 30 cm hohe, oben 42 cm und unten 55 cm breite Dämme gezogen. Die Dämme sind dachförmig, mit dem höchsten Punkt in der Mitte und 8-9 % Gefälle zu den Seiten, damit das Wasser bei Niederschlägen gut ablaufen kann. Zwischen den Reihen ist Platz für einen 80 cm breiten Gang, der mit einem 1,05 m breiten Anti-Wurzeltuch (Mypex) abgedeckt ist, um den Unkrautwuchs zu unterdrücken und das Wasser nach unten abfließen zu lassen. Dieses Anti-Wurzeltuch überdeckt die Seitenflanke der Dämme noch leicht.
Spezielle Taschenfolie
Über die Dämme wird eine 1,00 m breite und 100 µ dicke Taschenfolie gelegt, die speziell für dieses Anbauverfahren gefertigt wurde. Im Gegensatz zur klassischen Spargelfolie sind die Taschen innenliegend. So soll vermieden werden, dass die Taschen später mit Wasser volllaufen oder die Ranken der Pflanzen in die Taschen wachsen und dort Ausläufer bilden. Zum Befüllen der Taschen wird die Folie daher zunächst mit der Unterseite nach oben auf den Dämmen ausgerollt und nach Befüllung mit Erde umgedreht, sodass die grüne Seite oben liegt. Anschließend wird das Anti-Wurzeltuch ausgerollt und an den Dammflanken unter die grüne Taschenfolie gelegt und somit fixiert. Steine oder Erdhaken sind nicht nötig. An den Reihenenden werden Anti-Wurzeltuch und Taschenfolie mit Erde bedeckt, damit der Wind sie nicht greifen kann.
Wenn die unterhalb der Dammspitze, wenige Zentimeter tief in den Boden verlegte Tropfleitung angeschlossen ist, kann man mit dem Pflanzen in die vorgestanzten Löcher beginnen. Gepflanzt wird zweireihig auf den Damm mit einem Reihenabstand von 28 cm. Acht oder zehn Pflanzen je Laufmeter bzw. auch andere Abstände und Pflanzdichten sind möglich. Da die Löcher in der Taschenfolie nur 1 cm Durchmesser haben, um dem Unkrautwuchs so weit wie möglich zu unterdrücken, empfiehlt Joachim Thees die Verwendung eines von ihm konzipierten Pflanzeisens, das den Kraftaufwand beim Pflanzen reduziert und die Wurzeln beim Eindringen in die Erde schont.
Erster Test 2020
2020 entstand erstmals im Betrieb ein komplett abgedecktes kleines Testfeld. 2021 wurde dann auf einer Fläche von 3 ha das optimierte Dammsystem errichtet. Start der Pflanzung war am 10. März, Erntebeginn war der 10. Juni und das ohne Vliesabdeckung. Der Obstbauer aus Wardenburg entschied sich bei der Sortenauswahl für die beiden Remontierer `Vivara´ (A
+-Pflanzen) und `Cantus´ (A-Pflanzen). „Vielleicht hätten wir auch einige Einmalblüher pflanzen sollen“, berichtet er im Nachgang. Für diese Saison sind sie eingeplant und werden Anfang Mai gepflanzt.
`Vivara´ ist eine robuste Sorte und wächst auch auf Standorten, auf denen schon mehrfach Erdbeeren gestanden haben. Die Sorte liefert hohe Erträge. `Cantus´ ist nicht ganz so früh wie `Vivara´ und bringt nicht ganz diese hohe Erntemenge. Die Pflanzen und Früchte von `Cantus´ waren im August/September aber stabiler, ein Vorzug, den man nicht unterschätzen sollte. Auch wenn das Fruchtgewicht und die Fruchtgröße nicht festgehalten wurden, hatte Joachim Thees den Eindruck, dass die Früchte über den gesamten Verlauf der Ernteperiode groß bis normalfrüchtig waren und nur ein geringer Anteil kleiner Früchte anfiel.
Ausläufer und Blüten entfernen
Wichtig ist aber, dass, sobald die Pflanzen mit der Bildung von Ausläufern beginnen, diese ebenso wie alte Blätter und abgeerntete Blütenstände entfernt werden. `Vivara´ neigt recht stark zur Ausläuferbildung und eine Person/ha ist komplett mit dem Entfernen von Ausläufern, Blättern und Blüten beschäftigt, wenn der Bestand harmonisch bleiben und die Ernte weitgehend konstant verlaufen soll. Wer Remontierer kennt, weiß, dass Wellenbewegungen bei der Ernte nicht ganz auszuschließen sind. Daher ist in diesem Jahr als weiterer Remontierer `Florentina´ aufgepflanzt.
Hoher Ertrag
Der wirtschaftliche Erfolg des vergangenen Jahres hat den Obstbauern so sehr überzeugt, dass 2022 das neue Verfahren auf einer Fläche von 8 ha umgesetzt wird. Obwohl die Witterung nicht optimal war, konnten 700 g vermarktungsfähige Erdbeeren 2021 pro Pflanze geerntet werden, was zu einem Ertrag von 48 t/ha führte. Im Betrieb Thees werden alle Früchte, auch verdorbene und nicht vermarktungsfähige, geerntet. Aus Hygienegründen bleiben keine Früchte hängen. Und wie war der Geschmack der Remontierer? Der Betrieb liefert an den Handel und vermarktet einen großen Teil der Ernte direkt, das Sortenspektrum reicht von `Clery´ über Juniträger bis hin zu den Remontierern. `Cantus´ schmeckt etwas besser als `Vivara´, die Früchte beider Sorten gehen im Betrieb Thees aber auch in die Direktvermarktung und werden von Kunden absolut akzeptiert.
Frühe Ernte und hohe Pflückleistung
Neben dem Vorzug des Verzichts auf Herbizide und daraus ableitend einem verbesserten Pflanzenwachstum, ist die Frühzeitigkeit für Joachim Thees ein wichtiger Aspekt, denn unterhalb der Folie erwärmt sich der Boden recht gut. So konnten im vergangenen Jahr die ersten Remontierer schon am 10. Juni geerntet werden und wenn sich dies bestätigen sollte, könnte der Anteil Juniträger langfristig reduziert werden. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Pflückleistung bei dem neuen System, die Joachim Thees auf ca. 30-35 kg/Std., die gute Pflücker an vielen Erntetagen erzielt haben, beziffert.
Abräumen nach der Ernte
Nach der Ernte wird das ganze System auf dem Hof Thees abgebaut. Zweijährige Bestände bei Remontierern gibt es auf dem Hof aus Qualitätsgründen nicht. Die Pflanzen werden manuell über dem Rhizom abgedreht, bevor die Folie abgenommen und aufgerollt werden kann. Das geschieht, damit das Pflanzloch möglichst klein bleibt und so die Folie ca. sieben Jahre wiederverwertet werden kann. Da der Tropfschlauch nur ca. 2 cm tief im Boden zwischen den Reihen verlegt wurde und nicht umwurzelt ist, kann dieser sehr leicht entfernt werden. Anti-Wurzeltuch und Taschenfolie sind – ähnlich wie beim Spargel – mit Wickeltechnik aufzurollen. Anschließend erfolgt eine Bodenbearbeitung (Fräsen oder Grubbern), wodurch die Fläche wieder eingeebnet wird.
Im Folgejahr beginnt der Zyklus wieder mit dem Formen der Dämme. Wenn Folie und Anti-Wurzeltuch ausgelegt sind, können Juniträger gepflanzt werden. Nach der Ernte im folgenden Jahr wird das gesamte System wieder abgeräumt und Tagetes gesät, danach soll der Turnus wieder mit den Erdbeeren fortgesetzt werden können. Folie und Anti-Wurzeltuch sollen so sieben Jahre genutzt werden können.
Gespräche mit Endverbrauchern verliefen durchweg positiv, da die Kunden sowohl die Sauberkeit der Fläche, die Wiederverwertbarkeit der Folie für ca. sieben Jahre, den herbizidfreien Anbau sowie den geringen Wasserverbrauch schätzten.
Bislang nur eigene Erfahrungen
Joachim Thees berichtet auch vom Interesse mehrerer Anbauer an dem System. Noch liegen außer den Erfahrungen in seinem Betrieb aber keine Ergebnisse aus Versuchsanstalten oder Vergleiche aus anderen Betrieben vor. In der Versuchsstation in Langförden wird das Anbauverfahren gegenwärtig getestet. Bis erste Ergebnisse oder Erfahrungen nach außen gegeben werden, soll zumindest aber noch diese Saison abgewartet werden.
Thomas Kühlwetter