11.04.2023
40. Bruchsaler Erdbeertag - Neues zu Remontierern und Pflanzenschutz

`Hademar´ erwies sich im Versuch mit Remontierern beim LTZ Augustenberg als ertragreich und hatte große Früchte, aber die Kelchblätter lösten sich schwer von der Frucht
Foto: Bohnert
Am Nachmittag des 40. Bruchsaler Erdbeertags stellten Wolfgang Bauer vom Landratsamt Karlsruhe und Christian Wach vom Beratungsdienst Spargel und Erdbeeren e.V. (BDSE) Versuchsergebnisse mit remontierenden Sorten in Substratkultur im Tunnel und im Freiland vor. Weiterhin informierte Arno Fried, Landratsamt Karlsruhe, über die aktuelle Zulassungssituation der Pflanzenschutzmittel und gab Pflanzenschutzempfehlungen im Erdbeeranbau.
Versuchsergebnisse mit Remontierern 2021
2020/2021 wurden die remontierenden Sorten auf Stellage mit 300 m² Grundfläche in fünf Reihen von je 30 lfm im LTZ Augustenberg angebaut. Zur Steuerung für die Fertigation wurde ein Gerät der spanischen Firma Azud verwendet. Es gab zwei Sätze an Remontierern: am 23.09.2020 Topfgrünpflanzen (`Florentina´, `Malling Champion´, `Mariguette´, `Murano´) und am 14.06.2021 Wartebeet- und Traypflanzen (`Bravura´, `Furore´). `Bravura´ hatte keinen guten Ertrag. Bei `Florentina´ änderte sich der Geschmack stark im Verlauf der Ernte. `Furore´ war gut im Geschmack und Ertrag. Den meisten Ertrag brachte `Malling Champion´, aber die Früchte waren oft zu weich. `Murano´ sah optisch gut aus, hatte aber Mehltau, sodass man diese Sorte nicht empfehlen kann. Nach der Hauptsaison waren nur wenige Sorten, darunter `Florentina´ und `Furore´, zum Verkauf geeignet.
Versuchsergebnisse mit Remontierern 2022
2022 gab es einen Ringversuch zu remontierenden Sorten beim LTZ Augustenberg und dem BDSE. Anlässe waren zum einen die Unzufriedenheit mit Spätsorten bezüglich Farbe und Beerntbarkeit und die Suche nach einer Alternative, zum anderen gab es viele neue Sorten bei den Remontierern und noch keinen Vergleich der Sorten für Südwestdeutschland. In der Zwischenzeit stehen Remontierer häufig im Substrat. Der Fokus lag bei der Testung auf frei verfügbaren, neueren Sorten, die nicht anfällig für Mehltau sind: `Ania´, `Bravura´, `Cantus´, `Favori´, `Florentina´, `Furore´, `Hademar´ und `A. Karima´.
Die Sorten wurden am 30.03.2022 von Landwirtschaftsamt Karlsruhe intensiv im Tunnel auf Stellage im Beerensubstrat Ökohum im LTZ Augustenberg gepflanzt und praxisüblich kultiviert. Der BDSE pflanzte die Erdbeersorten am 02.04.2022 im Freiland ohne Stellage im Substrat PRO berry red PE20 von Brill, mit Proportionaldosierer und ohne Pflanzenschutz in der Nähe von Bad Kreuznach extensiv. Die Sorten wurden jeweils in dreimaliger Wiederholung beim intensiven Anbau in zwei Bakken, beim extensiven in einem Bakken angebaut (pro 1 m Bakken 7 Pfl. pro lfm). Auffällig war, dass die Wurzelmasse der Pflanzen sehr unterschiedlich war, obwohl es sich bei allen Pflanzen um Pflanzgut A handelte. Die Blüten wurden bis Mitte Mai ausgebrochen. Die Ernte begann im intensiven Anbau Ende Juni mit nennenswerten Erträgen und wurde bis Ende September 2022 durchgeführt. Im extensiven Anbau begann die Ernte ohne Verfrühung 10-14 Tage später.
Ergebnisse der Varianten
Der Ertrag war in der intensiven Anbauweise im Vergleich zur extensiven etwa doppelt so hoch. Die Blütenstände haben stärker nachgeschoben und es gab mehr Blüten. Im extensiven Anbau variierten die Fruchtgrößen zwischen den Sorten stärker, nach der großen Hitze wurden die Früchte in beiden Versuchen wieder größer. Es gab bei der intensiven Variante wenig Unterschiede in der Marktfähigkeit zwischen den Erdbeersorten. Bei der extensiven Variante war der Anteil an nicht-vermarktungsfähiger Ware größer. Aufgrund der Verwendung von Frigo-A-Pflanzgut lagen die Erträge insgesamt auf einem eher niedrigen Niveau. Normalerweise würde man bei Frühjahrspflanzungen stärkeres Pflanzgut (z.B. Tray) verwenden.
Optik der Früchte und Geschmacksergebnisse
Die Erdbeersorten wurden sieben Mal verkostet. Das Durchschnittsergebnis aller Verkostungen ergab: `Florentina´ und `Favori´ stechen positiv hervor. Sehr unbeliebt war `Bravura´. Generell variiert der Geschmack der Erdbeersorten sehr stark je nach Witterung und Ertragsverlauf.
`Ania´, im Freiland angebaut, war geschmacklich nicht überzeugend. Im intensiven Anbau war sie sehr wüchsig, im Freiland nicht. Darüber hinaus stellte sie sich als mehltauanfällig heraus.
`A. Karima´ ist auch wüchsig, ihre Früchte waren optisch sehr schön, ihr Geschmack ist jedoch eigen und erinnert nicht sehr an eine Erdbeere. `Bravura´ war durch ihre Nüsschen etwas rau, hatte eher wenige bzw. kurze Blätter.
`Cantus´ trägt kräftig rote, dunkle, feste aromatische und weniger süße Früchte. Sie ist eine Erdbeere für die Direktvermarktung. `Favori´ hat einen schönen Glanz, war oft aromatisch und neigt etwas dazu, einen Kragen auszubilden.
`Florentina´ hatte die größten Beeren. Bei ihren hellroten Früchten lässt sich der Kelch nicht so leicht entfernen. Sie hat einen guten Ertrag und kann als Alleskönner bezüglich der Vermarktung bezeichnet werden.
Einen sehr guten Ertrag brachte `Furore´, aber dieser ging auf Kosten von Fruchtgröße und Geschmack. Die Früchte sind glänzend und haben eine ähnliche Form wie `Clery´.
`Hademar´ war ertragreich und hatte große Früchte, aber die Kelchblätter lösen sich schwer von der Frucht. `Cantus´ und `A. Karima´ sind positiv hinsichtlich Regenfestigkeit aufgefallen. Letztere scheinen also nicht unbedingt den Tunnel zu brauchen.
Potenzial und Risiken in der Praxis
Unter den neuen Remontierer-Sorten gibt es laut Wolfgang Bauer welche, die nach Erdbeeren aussehen, schmecken und Festigkeit haben. Die im Vorjahr gepflanzten Remontierer schaffen durch die längere Anwachszeit einen guten Kiloertrag pro Pflanze. Christian Wach rechnete vor, dass man bei Frühjahrspflanzung auf keinen Fall am Pflanzmaterial sparen sollte, weil der zu erwartende Mehrertrag die höheren Pflanzkosten rasch ausgleicht. Es stellt sich in Niedrigertragsphasen die Frage nach den Pflückkosten. Man sollte sich sehr genau überlegen, ob man Remontierer anbauen will, welche Sorten man wählt, welches Anbauverfahren und welche Vermarktung.
Zulassungssituation in Erdbeeren
Arno Fried, Landwirtschaftsamt, Landratsamt Karlsruhe, gab eine Übersicht über die Zulassungssituation bei Erdbeeren. Die Zahl wichtiger Zulassungen nimmt seit Jahren ständig ab. Es gibt mehrere Zulassungserweiterungen, wie z.B. Talius/Talendo, dessen Anwendung nun auch im Tunnel gegen Echten Mehltau möglich ist. VitiSan, Wettbewerber zu Kumar, ist zur Befallsminderung von
Botrytis cinerea und Echtem Mehltau zugelassen und hat eine kurze Wartezeit von einem Tag. Die meisten Notfallsituationen nach Art. 53 werden voraussichtlich von 2022 auf 2023 übertragen.
Ein Anwendungsverbot haben folgende Mittel seit 2022: Envidor, Devrinol FL, Pirimor Granulat (das Standardprodukt gegen Blattläuse), Pirimor G ist nur im Ackerbau zugelassen. Steward (Produkt gegen verschiedene Raupen) kann durch den Umstieg auf Bioinsektizide weitestgehend ersetzt werden. Systhane 20 EW wird nicht wieder zugelassen; dafür könnte Belanty, wenn es eine Zulassung in Erdbeeren erhält, eine Alternative werden. Weiterhin ist auch die Möglichkeit zum Einsatz von Regalis Plus widerrufen worden, das laut Fried bei Erdbeeren nicht von Bedeutung war. Floramite SC steht aufgrund eines Widerrufs der Behörde wieder bis zum 31.12.2023 zur Verfügung.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat zum 20.12.2022 die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Vertimec Pro wegen der zu erwartenden Absenkung der Rückstandhöchstmengen von Abamectin im Gewächshaus gegen Spinnmilben, Erdbeermilbe und Thripse in Erdbeeren widerrufen.
Bei den Zusatzstoffen zur Benetzung, Haftung, Schaumminderern, Säuren und Ölen ist die Anwendung der vor dem 14.02.2012 gelisteten Zusatzstoffen nicht mehr zulässig. Viele von ihnen sind wieder neu gelistet. Bei ihnen sind die Anwendungshinweise, die sich geändert haben können, sowie die Einstufung der Bienentoxität in der Blütezeit zu beachten.
Bei den Phosphonate-haltigen Düngemittel dürfen seit dem 16.07.2022 auch EU-Düngeprodukte nur noch Spuren (max. 0,5 %) von Phosphonaten (früher: phosphorige Säure) enthalten. Der Handel kann weiter seine Restmengen abverkaufen. Im Betrieb gelagerte praxisübliche Mengen können aufgebraucht werden. Die Anwendung kann zu Überschreitungen der Rückstandshöchstmengen führen. Zugelassenes Pflanzenschutzmittel bei Erdbeeren mit Phosphonat als Wirkstoff ist Aliette WG.
„Es gibt viele neue Bio-Fungizide und Insektizide, die oft nur befallsmindernd eingestuft sind. Die meisten dieser Mittel haben wir in eigenen Versuchen getestet. Viele wirken nur geringfügig, auch bei mehrmaligem Einsatz. Sie werden, wahrscheinlich wegen ihrer meist geringen Umweltgefahren, schnell zugelassen. Leider kann man sich nicht immer auf die Wirkung verlassen“, resümiert Fried.
Fungizid-Strategie für Freiland und Gewächshaus
Im Freiland empfahl Fried gegen Fruchtfäulen mehrere Varianten von Spritzfolgen. Die Standardstrategie gegen Botrytis beginnt mit Score oder Signum zum Blütenschieben. Zum Blühbeginn und in die Vollblüte folgt Switch. In die abgehende Blüte Ortiva oder Flint plus Teldor in Tankmischung. Bei sehr mehltauanfälligen Sorten rät er bei der vierten Behandlung zu Luna Sensation.
Im Gewächshaus empfiehlt Fried die zweimalige Anwendung von Switch und danach bei mehltauanfälligen Sorten Dagonis oder Topas sowie im Ökoanbau Kumulus WG beim Schieben der Blütenstände.
Empfehlung gegen Milben, Blattläuse und Thripse
Da Vertimec Pro gegen die Erdbeermilbe wegfällt, ist Movento SC 100 noch wichtiger geworden, weil es eine gute Wirkung gegen Blattläuse und alle Milbenarten hat, was auch bei der Erdbeervermehrung wichtig ist. Problematisch ist die Terminierung des Einsatzes, weil es 14 Tage vor Blühbeginn ausgebracht sein muss. Dringend erforderlich wäre nach dem Verbot von Pirimor Granulat ein anderes Blattlausmittel. Hier besteht Hoffnung auf die rechtzeitige Zulassungserweiterung in 2023 von Teppeki mit kurzer Wartezeit. Gegen Spinnmilben kann noch bis zum 31.12.2023 Floramite 240 SC angewendet werden.
Im Gewächshaus hat sich der Einsatz von verschiedenen Nützlingen etabliert. Die Raubmilben
Amblyseius californicus und
Phytoseiulus persimilis sowie die Räuberische Gallmücke
Feltiella acarisuga werden häufig verwendet. Die Kosten sind deutlich höher als die Anwendung von Insektiziden oder Akariziden. Für die Zukunft sind Nützlinge der Weg für eine weitestgehend rückstandsfreie Produktion im Gewächshaus. Die Ausbringungsmethoden sind sehr unterschiedlich und eine fortlaufende Bestandsüberwachung ist zwingend erforderlich. Die Palette weiterer Nützlinge, z.B. gegen Blattläuse, stellte Arno Fried anhand von Bildern vor. Auch hier ist ein hoher Kenntnisstand erforderlich, der erfahrungsgemäß nur mit einer guten Betreuung erfolgreich ist.
Im Gewächshaus ist der Schlupfwespenmix Berry Protect gegen Blattläuse zu empfehlen. Eventuell ist hier aber eine Nachfütterung notwendig. Der Einsatz von Exalt gegen die Kirschessigfliege ist auf nicht-drainierten Flächen möglich. Bei den Thripsen macht vor allem der Kalifornische Thrips
Frankliniella californicus große Probleme. Auch hier sind verschiedene Raubmilben und Raubwanzen, z.B.
Amblyseius swirskii effektiv, allerdings steigen die Kosten bei remontierenden Sorten schnell über mehrere tausend Euro in einer Vegetationsperiode.
Unkrautbekämpfung
Die bekannten Problemunkräuter sind schwer bekämpfbar. Leider ist das Devrinol FL nicht mehr anwendbar. Im Vorauflauf kommt nun Spectrum eine größere Bedeutung zu.
Im Freiland gewinnt die mechanische Unkrautbekämpfung eine immer größere Bedeutung, da die Zulassungen für die alten Herbizide seit Jahren nur verlängert werden und keine neuen Präparate mehr zu erwarten sind.
Neu: Trockene Wurzelfäule
Zum ersten Mal wurde bei acht Erdbeerproben die „trockene Wurzelfäule“
Macrophomina phaseolina 2022 in Baden-Württemberg nachgewiesen. Die Symptome können mit denen von Verticillium-Welke, Rhizomfäule, Schwarzer Wurzelfäule und anderen bodenbürtigen pilzlichen Erregern verwechselt werden. Die Trockene Wurzelfäule ist eine invasive Art und kommt ursprünglich aus Südasien. Über 500 Wirtspflanzen wurden bereits gefunden. Sie kann mindestens drei Jahre im Boden überdauern. Der Pilz mag es sehr heiß und trocken bei einer sehr geringen Bodenfeuchtigkeit unter 40 %. Eine Bekämpfung ist bisher unklar. Über Frost könnte der Pilz eingedämmt werden. Nur eine Bodenentseuchung wäre laut Fried sicher. Eine große Bedeutung hat die Gesundheit der Erdbeerjungpflanzen.
Erdbeere Spinnmilben-Versuch 2020-2021
Im Blattläuseversuch 2020 zeigte Movento SC 100 je nach Boniturtermin Wirkungsgrade von 69–86 % gegen Blattläuse und eine gute Wirkung gegen Spinnmilben.
2021 wurden Laborversuche mit einer Tauchbehandlung mit fünf Drittelblättern pro Variante durchgeführt. Neudosan Neu mit 2 % zeigte eine befriedigende (66 %) bis gute Wirkung (85 %). Flipper braucht eine Konzentration von 2 %, wenn man die Wirkung von Neudosan Neu erreichen will. In der Praxis sind derartig gute Benetzungen praktisch nicht zu erreichen. Eine Erklärung für die oft unzureichende Wirkung in mehreren Freilandversuchen. Durch Mehrfachanwendungen verbessert sich die Wirkung etwas, gegenüber den bewährten Produkten sind die alternativen Insektizide aber deutlich teuer.
Erdbeermehltau-Versuche im Freiland
In drei Versuchsjahren von 2020-2022 wurden bei der sehr anfälligen Sorte `Lambada´ eine Reihe von Versuchsmitteln geprüft. Von den herkömmlichen Fungiziden schnitt Dagonis 2020 am besten ab, darauf folgte Nimrod EC mit einem guten und Topas mit einem befriedigenden Ergebnis. Kumar war nicht so effizient bei Erdbeeren, zeigte aber bei anderen Obstkulturen eine mittlere bis gute Wirksamkeit. Schwefel-Präparate Kumulus WG und Heliosoufre zeigten in dem Jahr befriedigende Ergebnisse, hinterließen aber deutliche Spritzflecken.
2022 war der Erdbeermehltau-Befall sehr stark. Nur in den Varianten mit Standardfungiziden, z.B. Flint, Topas im Wechsel mit Ortiva, war eine sichere Wirkung erzielbar. Die Varianten Kumulus WG und Kumulus WG + Taegro waren noch ausreichend wirksam. In den drei Prüfjahren zeigten die neuen Prüfmittel, meist Bio-Präparate, beinahe keine Wirkung.
Ausblick
„Pflanzenschutzmittel werden gesellschaftlich kritisch gesehen. Die Bevölkerung wird über NGOs meist einseitig informiert. Es war wahrscheinlich ein Fehler, dass in der Vergangenheit nicht noch mehr objektive Informationen an die Verbraucher gegeben wurden“, merkt Fried an. Viele Probleme haben sich in den letzten Jahren aufgebaut.
Der Lebensmitteleinzelhandel schreibt max. vier bis fünf Wirkstoffe vor. Dadurch ist die Mittelauswahl begrenzt und die Gefahr von Resistenzentwicklungen hoch. Es gebe kaum mehr neue Zulassungen und fast keine chemisch-systemischen Wirkstoffe mehr. Es gibt fast nur noch Zulassungsverlängerungen von älteren Produkten. Die Entwicklung von neuen gut wirksamen Bio-Präparaten kommt kaum voran. Das NAP-Ziel, 80 % der Bekämpfungsmöglichkeiten mit mindestens drei Wirkstoffgruppen (Resistenzvorsorge) abzudecken, wurde längst nicht erreicht. Tatsächlich sind es nur ca. nur 5 % für die Landwirtschaft. Übertragung von Zulassungen innerhalb der EU-Zone werden laut Fried in Deutschland vom Umweltbundesamt regelmäßig behindert.
Im Rahmen des Green Deals soll bis 2030 50 % von Menge und Risiko chemischer Pestizide gesenkt und der Ökolandbau um 30 % der landwirtschaftlichen Flächen gesteigert werden. Aktuell wird eine EU-Gesetzesvorlage diskutiert, laut der der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich in sensiblen Gebieten (Naturschutzgebiete, Flora-Fauna-Habitate, Naturdenkmäler, Landschafts- und Wasserschutzgebiete) untersagt werden soll. 37,2 % der Flächen, auch Öko-Anbau, wären in Deutschland betroffen. Im Obstbau würden alleine im Landkreis Karlsruhe auf 200 ha der Einsatz von Pflanzenschutz wegfallen.
Arno Fried meint, dass Stellungnahmen aus Forschung, Verwaltung und Politik auf einen breiten Widerstand gegen den Gesetzesentwurf der EU hoffen lassen.
Glyphosat ist nur noch bis Ende 2023 zugelassen. Es gibt eine Stellungnahme von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Die EU-Kommission beruft sich auf die aktuell geltende Risikobewertung, der Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die ihre abschließende Neubewertung des Wirkstoffs erst im Juli 2023 vorlegen wird.
Was können die Betriebe selbst tun?
„Es ist wichtig, eine gute Aufklärungsarbeit für die Notwendigkeit von Kulturmaßnahmen, wie auch den Pflanzenschutz, zu leisten. Transparenz ist dabei wichtig. Die regionale Produktion und die Vielfalt im Obstbau sind gute Möglichkeiten, um Interessierte auf den Hof einzuladen und über die Vorteile des einheimischen Anbaus zu informieren. Auch die Mitarbeit in Gremien und Verbänden sind auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene
wichtig, um die Interessen der Landwirtschaft zu vertreten“, schließt Fried.
Weitere und detaillierte Informationen zu der Remontierern und Pflanzenschutz in den Präsentationen unter
https://karlsruhe.landwirtschaft-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Aktuelles/Erdbeertag
Isabelle Bohnert