14.06.2021

Plenty for all™

Die Vermehrungs- und Anzuchteinheit bei Plenty. Von da ab geht es aus der Horizontalen in die Vertikale
Werkfoto: Plenty

Erdbeeren ohne Tageslicht? Nate Storey hat Großes vor: „Unsere Mission ist es, das Leben von Pflanzen, Menschen und unserem Planeten zu verbessern“ und erklärt im nächsten Satz auch schon wie: „Vertikale Indoor-Farmen schaffen die perfekte Umgebung für Pflanzen und verringern die Unwägbarkeiten. Unsere Pflanzen kommen nicht mit Pestiziden in Kontakt.“ Dazu kommt, dass Plenty bis zu 99 % weniger Platzbedarf als herkömmliche landwirtschaftliche Betriebe hat: „Stellen Sie sich eine 600 ha große Farm vor. Stellen Sie sich vor, die ganze Farm passt in Ihr Lieblingslebensmittelgeschäft und produziert dabei bis zu 350mal mehr als die konventionelle Variante. Wir machen mehr mit weniger - das ist effizient.“ Im Themenblock „New trends, new opportunities“ der Onlineausgabe des Global Berry Congresses gab der Gründer und Chief science officer von Plenty in einer Art Rundumschlag einen Einblick in den Stand der Technik sowie einen Ausblick darauf, welche Portfolioerweiterungen anstehen und einen Überblick darüber, was das alles mit Marketing zu tun hat: „Bei Plenty leben und atmen wir das Kundenerlebnis. Lernen Sie, wie unsere Indoor-Farmen auf dem Erfolg der USDA-Bio-Zertifizierung aufbauen und die wichtigsten Verbrauchertrends von heute erfüllen - sauberes Essen, Gesundheit und Wellness, Nachhaltigkeit, Transparenz, lokale Herkunft und besten Geschmack! Ich werde auch darüber sprechen, wie dies den Käufer von heute und den Käufer von morgen anspricht.“ Sogenannte lebende Wände sind nicht nur ein freudiges Designelement, sie könnten Storey zufolge auch die Zukunft der Landwirtschaft sein: Grünkohl, Rucola und Salat säumen beispielsweise die Wände seiner Indoor-Farm im Süden San Franciscos, die den derzeitigen Stand der Technik markiert. Dass es gelang, in kürzester Zeit bei Investoren einen dreistelligen Millionenbetrag  zusammen zu sammeln, hat auch mit dem Klimawandel zu tun: „Die jüngsten Störungen in der globalen Lieferkette, die durch Waldbrände an der Westküste der USA und Covid-19 verursacht wurden, haben gezeigt, wie fragil das System ist.“ In den vertikalen Indoor-Farmen von Plenty wird jede Wachstumsvariable sorgfältig überwacht. Luft, Feuchtigkeit, Licht, Wasser und Substrat werden ständig kontrolliert, um ein optimales Pflanzenwachstum zu gewährleisten. Plenty nutzt dabei jegliche Form der Datenanalyse, maschinelles Lernen sowie Künstliche Intelligenz, um beispielsweise auch mit maßgeschneiderter Beleuchtung die Wachstumszyklen der Pflanzen zu optimieren. Dabei werden LED-Leuchten verwendet, die auf das ideale Spektrum abgestimmt sind, das die jeweilige Kultur für die Photosynthese benötigt. Die Wellenlängen werden zudem mit dem Wachstum der Kultur synchronisiert, um den Energieverbrauch zu minimieren und die Erträge zu optimieren. Wenn irgendwo etwas Spektakuläres entsteht, spricht es sich naturgemäß schnell herum: „Wir haben uns andere vertikale Farmen angesehen und die Technologie von Plenty war eines der überzeugendsten Systeme, die wir für den Anbau von Beeren gesehen haben“, lässt sich Miles Reiter, CEO des Beerengiganten Driscoll´s, zitieren. „Wir haben Plenty kennengelernt, als wir an einer gemeinsamen Entwicklungsvereinbarung für den Anbau von Erdbeeren gearbeitet haben. Wir waren so beeindruckt von ihrer Technologie, dass wir beschlossen haben, zu investieren.“ Die Partnerschaft mit Driscoll's hat, wie könnte es anders sein, Forschung und Entwicklung erst einmal rund um den Erdbeeranbau, aber letztendlich auch deutlich darüber hinaus, zum Ziel. Dabei musste keineswegs bei Null begonnen werden. Laut Storey arbeitet Plenty seit einigen Jahren auch an der Kultur von Erdbeeren - sowie an Tomaten und anderen Pflanzenarten: „Die Arbeit, die wir mit Erdbeeren geleistet haben, passt sehr gut zu Driscoll´s´ Interesse an der Kultur von Erdbeeren in kontrollierter Umgebung. Unser Markenname Plenty steht ja auch gar nicht für bestimmte Kulturen. Plenty ist mehr eine Plattform. Eines unserer Ziele bei Plenty ist es, Lebensmittel an Orte zu bringen, an denen diese Lebensmittel in der Vergangenheit nicht verfügbar waren, und Arbeitsplätze dort zu schaffen, wo Arbeitsplätze benötigt werden.“ Im kalifornischen Compton hat Plenty die Errichtung einer Indoor Farm auf knapp 9 000 m2 beinahe abgeschlossen. Dieser bisher letzte Streich soll nicht weniger als den Standard weltweit wieder einmal auf’s Neue markieren. Außerdem betreibt Plenty einen Standort zur Forschung und Entwicklung in Laramie, Wyoming, und eben die bereits zitierte, rund 5 000 m2 große Indoor-Farm am Hauptsitz in San Francisco. Produziert werden dort hauptsächlich Salate mit 5 % des Wasserverbrauchs herkömmlicher Produktionsmethoden und rund 1 % des Flächenverbrauchs. Derzeit geplant sind 500 weitere Standorte weltweit in Städten mit mehr als 1 Mio. Einwohner. Ob es nun stimmt, dass tatsächlich bis zum 400-fachen des Ertrags der konventionellen Landwirtschaft erwirtschaftet werden kann, sei einmal dahingestellt - dass es eine Menge mehr ist, steht außer Frage – und das mit geplant 100 % erneuerbarer Energien. Dementsprechend groß sind die Ambitionen: „Wir reden nicht vom Bau einiger Farmen. Wir sprechen über die Verdoppelung oder Verdreifachung der weltweiten Kapazität für den Anbau von frischem Obst und Gemüse.“ Konkurrenz fürchtet Storey nicht: „Ja, wir haben Konkurrenten. Aber es braucht jeden von uns, da die Welt mehr frisches Obst und Gemüse braucht.“ Plenty und Driscoll´s werfen nun also in Zukunft Beeren-Know-how und fortschrittliche Indoor-Farming-Technologie in einen Topf. Herauskommen sollen konstant und konstant großartig schmeckende Erdbeeren, deren Textur und Größe optimiert sind. Mutter Naturs Unwägbarkeiten sollen ausgeräumt werden und beiden Unternehmen ermöglichen, zukünftig die Wünsche von Verbraucher weltweit noch besser zu erfüllen; einschließlich und vor allem auch derer, die an Orten leben, an denen der Anbau von Erdbeeren sonst nicht möglich wäre. Dass das mit dem großartigen und vielleicht auch großartigerem Geschmack nicht zu weit hergeholt sein könnte, zeigt, dass Plenty in den letzten beiden Jahren bei Blattgemüse Ertragszuwächse von bis zu 700 % erzielen konnte – ohne dass Geschmack oder Qualität leiden hätten müssen. Driscoll´s´ Erdbeeren werden zunächst am Plenty Standort in Laramie, nichts weniger als den eigenen Aussagen zufolge weltweit größten Forschungs- und Entwicklungszentrum für vertikalen Anbau, adaptiert und weiterentwickelt. „Seit über 100 Jahren ist Driscoll´s auf der Suche nach den wohlschmeckendsten Beeren. Angesichts des Aufkommens der Indoor-Landwirtschaft sind wir stolz darauf, dass Driscoll´s Plenty als Partner auserwählt hat, um aromatische Beeren zu entwickeln, die indoor in einer sauberen, kontrollierten Umgebung angebaut werden“, freut sich Storey. „Das passt zu unserer Mission, unseren Verbrauchern die köstlichsten Lebensmittel anbieten zu können und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Unser Ziel ist es, den Verbrauchern auf der ganzen Welt frische, geschmacksintensive Beeren aus lokalem Anbau anzubieten.“ Von der Theorie in die Praxis dann mit der filmischen Selbstdarstellung von Plenty beispielsweise unter https://youtu.be/Rk4DqGDYhWg Tim Jacobsen